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"Gemeinsam für Biglen": Der einstige Frauenverein feiert das 100-Jahr-Jubiläum

Dieses Wochenende steigt in Biglen ein grosses Fest: Der Verein "Gemeinsam für Biglen" (GFB) feiert sein 100-jähriges Bestehen. Die beiden Vorstandsmitglieder Tatjana Beer und Nadya Bichsel sprachen mit BERN-OST über die Tätigkeiten des Vereins und seine Geschichte.

Der Vorstand des Vereins "Gemeinsam für Biglen": (von links, oben ) Silvia Schöni, Ursula Probst, Tatjana Beer, Nadya Bichsel, Priska Schmid, (unten) Claudia Kipfer Moser, Karin Mosimann und Sonja Bosshard (Bild: zvg).

Seinen Anfang nahm der Verein bereits 1893, als sich „tatkräftige, praktische Frauen“ zusammentaten, „um in gemeinsamer Arbeit und mit persönlichem, materiellem Einsatz die Not der Armen zu lindern“. Dies erfährt man in der Chronik, welche der GFB anlässlich des Jubiläums zusammengetragen hat.

Es sei mehr ein loser Zusammenschluss denn ein Verein gewesen, der die engagierten Frauen verbunden habe. „Es brauchte dazu keine Statuten“, steht in der Chronik. 1918 wurden Statuten aufgestellt und somit war der Frauenverein Biglen als rechtskräftiger Verein geboren. Das 100-Jahr-Jubiläum bezieht sich also auf diesen offiziellen Gründungsakt.

Einsatz für Arme und Frauen

Der Verein setzte sich gemäss den Statuten für „die Unterstützung armer Schulkinder, sowie erwachsener Personen“ ein. „Und so fertigten die Frauen des Vereins zirka achtzig Päckli mit dringend benötigter Wäsche, Strümpfen und Socken. Gestrickt wurde an wöchentlichen Arbeitsabenden“, heisst es in der Chronik.

Zudem setzte er sich für die Bildung der „Frauen und Töchter“ ein. So habe der Frauenverein die Ansicht vertreten, dass Frauen aus allen Bevölkerungsschichten imstande sein sollten, ihre Existenz oder die ihrer Familie selbst zu sichern, entnimmt man der Chronik. Dies führte zur Gründung von Hauswirtschafts- oder Dienstmädchenschulen, Pflegerinnenschulen oder einer „Gartenbauschule für Töchter“.

Beer: „Wir wollen das Engagement weiterziehen“

„Die Frauen waren sehr engagiert und auch politisch aktiv“, sagt Tatjana Beer, Vorstandsmitglied und Sekretärin des GFB. „Sie machten sich stark für die Anliegen der Frauen und der Familien“, sagt sie. Gemäss dem Vereinsmotto „bemerkenswert, sozial, engagiert“ wolle der Verein dies weiter durchziehen, wenn auch ohne das politische Engagement von früher.

Zu den Tätigkeiten des GFB zählt allen voran der Adventsmärit, der jeweils am Samstag vor dem ersten Advent stattfindet und eine der Haupteinnahmequellen des Vereins ist. 1985 wurde der erste Adventsmärit organisiert. „Der Adventsmärit ist inzwischen gewachsen. Letztes Jahr zählten wir rund dreissig Stände“, sagt Nadya Bichsel, welche als Mitglied des Vorstands für verschiedene Aktivitäten zuständig ist.

Voller Einsatz für den Adventsmärit

Die Vereinsmitglieder verkaufen am Märit selbstgemachte Backwaren, Adventskränze, Suppe und Gedörrtes. „Der Adventsmärit ist nur möglich wegen dem grossen Einsatz unserer Mitglieder “, sagt Bichsel anerkennend.

Rund 300 Mitglieder zählt der GFB, acht Frauen stehen dem Verein vor. Im Laufe der Zeit war es immer schwieriger geworden, den Vorstand zu besetzen, liest man in der Chronik. „Es ist ein intensives Hobby“, sagt Bichsel. Nach Marlen Krummen, welche von 2009 bis 2013 Präsidentin des Frauenvereins war, wollte niemand das Präsidium übernehmen. „So führten wir ein Co-Präsidium ein, welches zur Zeit Claudia Moser-Kipfer und Priska Schmid innehaben“, sagt Beer. Dies habe sich bewährt.

Neuer Name, neues Image

Neben dem steten Anpassen des Programms und der Aktivitäten an die Nachfrage in der Bevölkerung, ist zudem die Namensänderung des Vereins 2014 als wichtiges Ereignis hervorzuheben. Das altmodische Image der strickenden Frauengemeinschaft sollte damit abgeworfen und der Verein auch für Junge und Männer attraktiv werden.

Die Namensänderung sei damals nicht von allen gut geheissen worden. Mittlerweile hätten die Mitglieder aber gemerkt, dass sich ausser dem Namen nicht viel geändert habe, sind sich Beer und Bichsel einig. Sie merken aber an, dass sie beide damals noch nicht im Verein waren. „Seit der Namensänderung ist aber eine Mitgliedschaft als Familie möglich und auch Männer sind herzlich willkommen“, sagt Bichsel.

Junger Vorstand

Ganz angekommen ist die Namensänderung aber noch nicht. „Man muss immer noch sagen, man sei vom Frauenverein, wenn man irgendwo anruft“, sagt Beer. Ihr ist bewusst, dass die Änderung im Dorf noch nicht ganz vergessen ist.

Die Anstrengungen zur Erneuerung und Erhaltung des Vereins scheinen sich aber doch gelohnt zu haben. „Der heutige Vorstand ist jung. Niemand ist länger als vier Jahre dabei“, sagt Beer.

Bichsel: „Ein Fest für die Bewohner“

Das Fest vom kommenden Wochenende solle ebenfalls jung und alt ansprechen. „Es muss ein Fest für die Bewohner sein“, sagt Bichsel. Mit einem Apéro für geladene Gäste bedankt sich der GFB am Samstag zuallererst aber bei seinen Helfern.

Später am Abend werden anlässlich des Jubiläums zwei neue Dorfbänkli eingeweiht. „Eines wird bei der Schule, das andere bei der Friedenslinde stehen“, sagt Beer. Zudem wird die Vereinschronik vorgestellt. Dazu gesellt sich ein Rahmenprogramm mit Musik, Festwirtschaft und Vergnügungen für die Kinder.

Am Sonntagmorgen locken ein grosses Buure-Brunch-Buffet, musikalische Unterhaltung und eine Reihe von Kinderaktivitäten zum gemütlichen Beisammensein.

[i] Siehe auch Newsberichte...
- "Biglen - Verein am Dorffest" vom 26.06.2014
- "'Gemeinsam für Biglen': Ex-Frauenverein ohne Präsidentin - mit Dorffest im Juni" vom 18.02.2014
- "Frauenverein: Alter Verein, neuer Name" vom 14.02.2014

[i] Zum Veranstaltungseintrag des Jubiläumsfestsauf BERN-OST

[i] Zum Freizeit- und Kultureintrag des GFB auf BERN-OST

[i] Zur Webseite des GFB


Autor
Isabelle Berger, isabelle.berger@bern-ost.ch
Nachricht an die Redaktion
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Erstellt: 25.05.2018
Geändert: 25.05.2018
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