Parlament Worb

Kann man Wintereisbahn und Sommerbadi trennen?

Viele Traktanden für einen heissen Abend: Das Worber Parlament diskutierte und stimmte ab. Viele Nachfragen wurden geklärt. Und auch die Diskussion rund um die Motion, man solle über die beiden Sportangebote des Wislepark auch separat abstimmen können, nahmen ein eindeutiges Ende.

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Gemeindepräsident Niklaus Gfeller (am Stehpult) erklärte unter anderem, warum die Sanierung des Wisleparks ein Gesamtprojekt ist. (Foto: cw)

Über 30 Grad zeigte das Thermometer draussen, im Bärensaal Worb war es auch mit heruntergelassenen Storen nur unwesentlich kühler. Dennoch hatten sich fast ausnahmslos alle Parlamentarierinnen und Parlamentarier eingefunden, bereit, der Hitze zum Trotz die beachtliche Liste von Geschäften durchzuackern.

 

Grün-orange-rote Palette an Gemeindeaufgaben

Der erste Brocken war wie jeden Sommer der Verwaltungsbericht: Eine Sammlung aller Aufgaben einer Gemeinde, die Palette reicht von Photovoltaikanlage bis Jungbürger:innenfeier, von Strassensicherheit bis Notfallstützpunkt. Der Bericht zeigt übersichtlich, ob die Punkte erledigt (grün), in Bearbeitung (orange) oder noch zu bearbeiten sind (rot). Ein paar Nachfragen, ein paar Präzisierungswünsche zu den verschiedenen Departementen wurden deponiert und zufriedenstellend beantwortet, jedenfalls wurde der Verwaltungsbericht für das Jahr 2025 genehmigt.

 

«Ein Finanzer, der alle Klischees widerlegt»

Auch die Jahresrechnung 2025 führte zu keinen grossen Diskussionen: Verdankt wurde vor allem die grosse Arbeit des bisherigen Finanzverwalters Jonas Weil, der in Pension geht. Hans Ulrich Steinmann (SVP) lobte in einer launigen Rede, Weil habe das immer grossartig gemacht, und er widerlege auch schon als Person sämtliche Klischees eines langweiligen Buchhalters. «Jonas Weil ist ein aussergewöhnlicher Finanzer, sachlich und leicht schmunzelnd, und doch stets das Ziel einer exakten Rechnungsführung vor Augen.» Weil wurde mit einem Applaus verabschiedet und die Jahresrechnung 2025 wurde genehmigt.

Und dann kam die Motion der Grünen Worb rund um den Wislepark auf den Tisch: «Der Gemeinderat wird beauftragt, dem Parlament Worb für die Sanierungsprojekte ‹Schwimmbad› und ‹Kunsteisbahn› zwei separate Vorlagen zur Abstimmung zu unterbreiten», lautet das Anliegen. Urs Burkhard begründete die Motion: «Wir stehen vor einem grossen Projekt, und wir möchten verhindern, dass am Ende unteilbares Gesamtpaket nach dem Motto ‹dopplet oder nüt› vorliegt», erklärte er.

 

Verschiedene Sachen – oder doch nicht?

Die Badi liege allen am Herzen, und es sei «politisch unredlich und ein Misstrauensvotum», wenn die Sanierung der Badi an die Eisbahn gebunden sei, damit diese am Ende akzeptiert werde: «Das sind komplett verschiedene Sachen.» Auch die Vernetzung der beiden Anlagen, beispielsweise in Bezug auf die gemeinsamen Leitungen, sei kein Hinderungsgrund für eine Aufteilung in zwei Vorlagen. Im Gegenteil, punkto Eisbahn seien heute andere Schritte nötig: «Sie sollte endlich von den umliegenden Gemeinden mitgetragen werden.»

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An der Parlamentsversammlung Worb war es trotz heruntergeladener Storen heiss, aber trotz Hitze waren fast alle erschienen. (Foto: cw)

Burkhard schloss: «Das Gesamtpaket ist ein unnötiges Risiko – wir wollen nicht, dass am Ende beide Projekte scheitern.» Deshalb laute die Botschaft der Grünen Worb an die Verwaltung: «Plant ehrlich, plant korrekt – und plant getrennt!» Nur so könne man eine transparente Lösung schaffen für ein solides Fundament.

 

Diesmal ging das Parlament nicht mit

Die Voten der anderen Parteien zeigten jedoch schnell, dass die Grünen mit ihrem Anliegen allein dastehen: So eindeutig, wie das Postulat der Grünen vom letzten November bezüglich Mitsprache des Volks zur Sanierung des Wisleparks Anklang fand, so einhellig äusserten sich die Parteien gegen das aktuelle Postulat. Daniel Stucki (FDP) brachte auf den Punkt, warum seine Partei nicht zustimmt: «Die Motion suggeriert, es seien unabhängige Projekte, aber der Wislepark ist ein Gesamtbetriebskonzept, die Projekte hängen zusammen», sagte er. Die FDP erkläre deshalb die Motion als nicht erheblich, «damit eine ehrliche, verantwortungsvolle Mitbestimmung möglich ist».

Auch Guido Federer verlangte im Namen der SP, wenn es wirklich darum gehe, auch die Sanierung der Eishalle weiterzubringen, müsse man das als Gesamtprojekt angehen: «Am Ende ja oder nein zum Projekt zu sagen, steht ja allen offen.» Mayk Cetin (EVP) wiederum erinnerte, man dürfe nicht vergessen, dass das Volk dreimal für das Gesamtpaket gestimmt habe. «Ich weiss nicht, wie gut es ankäme, wenn man jetzt zwei Sportarten gegeneinander aufhetzen würde – das wäre wohl für den sozialen Frieden nicht förderlich.» Auch GLP und SVP folgten den Argumenten des Gemeinderats gegen eine Erheblichkeits-Erklärung, die Gemeindepräsident Niklaus Gfeller (EVP) anschliessend noch einmal ausführte.

 

«Es wäre ein komplett anderer Wislepark»

«Die Motion», sagte Gfeller, «suggeriert, dass im Fall einer Trennung alles normal weitergeführt werden könne.» Das sei aber nicht der Fall: Denn wenn das eine oder andere geschlossen würde, wäre es «ein komplett anderer Wislepark». Oder noch deutlicher formuliert: «Ohne Kunsteisbahn wäre der Wislepark im Winter tot.» Was denn mit dem Curling passieren würde, fragte Gfeller, und würde eine Kältemaschine dann noch rentieren? Und: Was passiert mit Eishalle? Es sei klar: «Das Stimmvolk muss wissen, was es erhält.»

Gfeller schloss mit den Worten: «Darum erklärt der Gemeinderat die Motion mit ihrer Teilung als nicht erheblich, damit wir endlich einen Schritt weiterkommen!» Das, so schien es, ist auch den Parlamentarierinnen und Parlamentariern wichtig. Und so stimmten ausser den Grünen fast alle gegen die Motion, die dadurch als nicht erheblich eingestuft wurde.

 

Ein nächster Schritt ist getan

Die übrigen Traktanden von Verwaltungskosten über Bibliothek Rüfenacht bis Tramfahrplan gingen mit ein paar Voten, aber ohne grosse Diskussionen durch. Im Bärensaal Worb war es immer noch sehr warm, als das Parlament um 22.30 Uhr die Traktandenliste bis zum Schluss durchgearbeitet hatte. Und damit in Sachen Sanierung von Schwimmbad und Eisbahn wieder einen nächsten Schritt entschied: Der Wislepark ist und bleibt ein Ganzes.

Von Urs zu Urs und von Gerber zu Gerber

An diesem Abend verabschiedete Urs Burkhard, Präsident der Grünen Worb, auch den ersten Gemeinderat der Grünen, Urs Gerber, mit einem herzlichen Dank für die fast zehn Jahre Einsatz im Amt. «Nachhaltige Politik ist Politik für Menschen», fasste Burkhard zusammen, und gute Entscheide fälle man nicht im Galopp. Der Wein, den er Gerber überreichte, stehe unter dem schönen Motto «Man sollte gute Momente nicht auf später verschieben». Gleichzeitig hiess er Gerbers Frau Myriam Gerber-Maillefer als neue Gemeinderätin willkommen: Sie übernimmt ab 1. August und wird Vorsteherin des Ressorts Soziales und Stellvertreterin des Ressorts Bildung.

 

Diese Entscheide fällte das Parlament

Verwaltungsbericht 2025
Der Verwaltungsbericht für das Jahr 2025 wird genehmigt.

Jahresrechnung 2025
Die Jahresrechnung 2025 wird genehmigt. Sie weist Aktiven und Passiven von 79'701'724 Franken und einen Ertragsüberschuss von 668'034 Franken aus.

«Sanierung 'Wislepark': Separate Abstimmung über die Projekte 'Schwimmbad' und 'Kunsteisbahn'»
Die Motion der Grüne-Fraktion wird als nicht erheblich erklärt.

«Entwicklung der Verwaltungskosten und externe Dienstleistungen» Postulat der FDP-Fraktion
Das Postulat der FDP-Fraktion mit dem Titel "Entwicklung der Verwaltungskosten und externe Dienstleistungen" wird als nicht erheblich erklärt.

«Weiterentwicklung der Bibliothek Rüfenacht nach einem Umzug ins Zentrum»
Das Postulat der Grüne-Fraktion mit dem Titel «Weiterentwicklung der Bibliothek Rüfenacht nach einem Umzug ins Zentrum» wird als nicht erheblich erklärt.

«Tramlinie 6 – abendlicher 15-Minuten-Takt bis Rüfenacht (und Worb)»
Das Postulat der Grüne-Fraktion mit dem Titel wird als erheblich erklärt.


Autor:in
Claudia Weiss, claudia.weiss@bern-ost.ch
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Erstellt: 24.06.2026
Geändert: 24.06.2026
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