Schulanlage Utzigen-Littewil

Überrissenes Projekt oder sinnvolle Investition in die Zukunft der Schule? 

Die Schulanlage Utzigen-Littewil soll für 15 Millionen Franken umfassend erneuert werden. Am 27. September entscheidet die Vechiger Stimmbevölkerung über den Kredit. Zurzeit wird in der Gemeinde mit einem Flugblatt Stimmung gegen den Kredit gemacht. Gemeindepräsidentin Nadia Lützelschwab verteidigt das Projekt.

image 998654
Schulhaus Utzigen: Geplant sind ein neues Schulhaus mit integriertem Kindergarten, die Sanierung der Turnhalle und eine Neugestaltung der Aussenanlagen. (Foto: Archiv BERN-OST)

Das Schulhaus in Utzigen, erbaut in den 1960er-Jahren, ist sanierungsbedürftig: Eine Zustandsanalyse von 2024 kam laut Gemeinde zum Schluss, dass vor allem der ursprüngliche Schultrakt erhebliche bauliche und energetische Mängel aufweist. Auch Brandschutz, Sicherheit und Hindernisfreiheit entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Der Gemeinderat entschied sich nach einer Machbarkeitsstudie gegen eine Gesamtsanierung des bestehenden Schulhauses.

 

Schule, Kindergarten und Tagesschule unter einem Dach

Stattdessen soll der heutige Schulhaustrakt zusammen mit dem freistehenden Kindergarten abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt werden. Die jüngere Turnhalle bleibt bestehen und wird energetisch, akustisch und baulich saniert. Im Neubau sind Räume für die 1. bis 6. Klasse sowie der Kindergarten vorgesehen. Auch die Tagesschule wird darin untergebracht. Ein zusätzliches Klassenzimmer ist als Reserve geplant und soll vorerst als Gruppenraum dienen. 

Neu gestaltet werden auch die Aussenräume. Vorgesehen sind unter anderem ein öffentlicher Spielplatz, ein Rasenfeld und ein Allwetterplatz. «Auch die neue Schulanlage wird über attraktive Grün- und Aussenflächen verfügen», verspricht Gemeindepräsidentin Nadia Lützelschwab. Die Zahl der Parkmöglichkeiten soll ungefähr auf dem heutigen Niveau bleiben.

 

«Trotz Fremdfinanzierung tragbar»

Die Gesamtkosten werden mit 15 Millionen Franken veranschlagt. Davon entfallen rund 10 Millionen auf den Neubau und 2,2 Millionen auf die Sanierung der Turnhalle; die übrigen rund 2,8 Millionen betreffen unter anderem Umgebung, Baunebenkosten, Ausstattung und Reserven. 3,5 Millionen Franken sollen aus einer Spezialfinanzierung entnommen werden, netto 11,5 Millionen Franken gehen zulasten des Steuerhaushalts.

 

Die Gemeinde rechnet mit jährlichen Folgekosten von rund 907'000 Franken. Ein grosser Teil des Projekts muss gemäss Botschaft fremdfinanziert werden, der Gemeinderat hält es aber angesichts der aktuellen Finanzlage für tragbar.

image 998655
So soll das Schulhaus nach dem Umbau aussehen. (Visualisierung: gsj architekten)

Am Informationsanlass der Gemeinde im Juli erklärte Gemeinderat Hans-Rudolf Galli, gewisse Reserven seien bereits eingerechnet, und versprach: «Dieser Betrag wird keine Folgen auf die Steuern haben.» Genau das befürchten aber offenbar unbekannte Vechigerinnen und Vechiger: Mit einem Flugblatt machen sie zurzeit Wind gegen das Projekt.

 

Fehlt das Geld nachher für das Oberstufenschulhaus?

«Wollen wir in Zukunft eine Steuererhöhung in Vechigen?», lautet die Frage auf dem Flyer. Von einem «überdimensionierten Neubauprojekt» ist die Rede, davon, dass der «intakte wunderschöne Kindergarten aus den 90er-Jahren» dem Erdboden gleichgemacht werde, dass derweil das Schulhaus Littewil ungenutzt leer stehe, und dass der Baukredit voll über Banken finanziert werden müsse. Das Geld fehle nachher für die Sanierung Oberstufenschulhaus, heisst es schliesslich. Deshalb wolle man den 15-Millionen-Investitionskredit ablehnen. Das allerdings will Nadia Lützelschwab nicht so stehen lassen. 

image 999770
Schulhaus Littewil: Es wurde vor einigen Jahren verkauft und steht nicht mehr als Schulraum zur Verfügung. (Foto: Archiv BERN-OST)

Zum Thema Steuern  sagt sie klar: «Der Vorwurf im Flyer ist aus unserer Sicht irreführend.» Das Schulhausprojekt stelle zwar eine bedeutende Investition dar, führe aber nicht automatisch zu einer Steuererhöhung. Im Gegenteil: «Die Gemeinde wird bereits im November über eine Steuersenkung abstimmen.»

 

«Das Oberstufenschulhaus ist fest eingeplant» ...

Die Investitionen in die Schulanlage Utzigen-Littewil, betont sie ausserdem, gingen nicht zulasten des Oberstufenschulhauses Vechigen: «Der Gemeinderat hat die Investitionsplanung sorgfältig vorgenommen, und dabei hat er auch das Oberstufenschulhaus fest eingeplant.» Und zum Punkt «leerstehendes Schulhaus Littewil» erklärt Nadia Lützelschwab: «Dieses wurde vor einigen Jahren an eine private Eigentümerschaft verkauft.» Diese habe ein Bauprojekt erarbeitet, zu dem inzwischen eine rechtskräftige Baubewilligung vorliege.

«Das Gebäude», bringt sie es auf den Punkt, «steht der Gemeinde daher nicht als ungenutzte Schulraumreserve zur Verfügung.»

 

«Investition in die Zukunft der Gemeinde»

Alles in allem sind Nadia Lützelschwab und ihr Gemeinderat überzeugt: «Beim Teilersatzneubau der Schulanlage Utzigen-Littewil handelt es sich um eine langfristig sinnvolle und notwendige Investition in die Schule – und damit in die Zukunft unserer Gemeinde.»

Bau von 2027 bis 2029

Bei einem Ja soll im Sommer 2027 mit den Arbeiten begonnen werden. Zunächst wird der Neubau erstellt. Nach dessen Bezug im Sommer 2028 werden das alte Schulhaus und der Kindergarten zurückgebaut und die Turnhalle saniert. Bis Mitte 2029 soll die Gesamterneuerung abgeschlossen sein. Der Schulbetrieb soll während der Bauzeit weitgehend ohne Provisorien weitergeführt werden.

 

Der Gemeinderat empfiehlt den Stimmberechtigten, den Investitionskredit von 15 Millionen Franken anzunehmen.


Autor:in
re/Claudia Weiss, claudia.weiss@bern-ost.ch
Fehler gefunden?
Statistik

Erstellt: 15.09.2026
Geändert: 15.09.2026
Klicks heute:
Klicks total: