Vom Kinderheimbesuch zum Kaffeehandel
Der 19-jährige Mediamatikerlernende Janic Zaugg aus Grosshöchstetten hat ein spannendes Jahr hinter sich: Es fing an mit einem Crowdfunding für ein Kinderheim in Uganda und einer Reise. Und entwickelte sich zu einem neuen Coffee-Shop in der Schweiz. Wir wollten wissen, wie das kam.
Sein Einsatz geht weiter: Vor über einem Jahr haben wir berichtet, wie der Mediamatiker-Lehrling Janic Zaugg aus Grosshöchstetten via Crowfunding Gofundme Geld sammelte. Und wie er damit nach Uganda reiste, um das Kinderheim Kisa Foundation vor Ort zu unterstützen. Das war im März 2025. Jetzt schreibt er uns: «Seitdem hat sich sehr viel getan», und schickt dazu einen Link zum Victoria Coffee Shop. «Single Origin aus Uganda, in der Schweiz bei Blaser Café geröstet», ist zu lesen, und: «Jede Tüte unterstützt Kinder in Uganda.» Da ist tatsächlich einiges gelaufen. Wir wollen wissen, wie es dazu kam.
Die erste Tropennacht in Uganda ...
Dafür müssen wir zuerst in den letzten April zurückkehren: Zu jener Nacht im April 2025, in der Janic Zaugg und sein Cousin Joshua Zaugg, aufgeregt, frisch durchgeimpft und die Koffer voller Mitbringsel, in Entebbe, Uganda, landeten. Die Nacht, in der sie Edward Muguluma, dem Leiter des Kinderheims, nach etlichen Skype-Gesprächen erstmals persönlich begegneten: Er holte die beiden vom Flughafen ab.
«Es war halb ein Uhr in der Nacht, tropisch heiss und eine ganz spezielle Luft», noch lebhaft erinnert sich Janic Zaugg an seine erste Landung in Afrika. Das Hotel, zu dem Edward Muguluma sie fuhr, sei ein durchaus anständiges gewesen, aber: Es befand sich nicht in einem Touristenviertel, sondern mitten im Bezirk Nansana, und beim Eingang stand ein Mann mit Maschinengewehr. Die Cousins schauten einander an: «Da fühlt man sich schon ein bisschen ausgeliefert», sagt Janic heute.
... und dann die Begegnung mit den Waisenkindern
Am anderen Tag dann die Begegnung mit den Waisenkindern: Fröhlich lachend trotz ihrem Schicksal, interessiert, begeistert, die beiden Cousins sofort mittendrin. «Die neun Tage mit den Kindern waren wunderschön und unvergesslich.» Janic und Joshua spielten mit den Kindern Fussball, lachten mit ihnen und unterrichteten sie sogar einen Tag lang auf Englisch. Der Abschied nach dieser intensiven Zeit sei wahnsinnig schwer gewesen, auch für die Kinder: «Wir haben in dieser Zeit extrem enge Bindung geschaffen.»
Wie aus einem Crowdfunding und einem persönlichen Besuch vor Ort auf einmal ein Kaffeehandel wurde, ist aber immer noch ein Rätsel. Ein Telefongespräch mit Janic Zaugg füllt die Lücken.
BERN-OST: Janic, erzähl, wie wurde aus «zusammen Fussballspielen» ein Kaffeehandel?
Janic Zaugg: Noch vor Ort habe ich mir überlegt, wie ich das Kinderheim dauerhaft unterstützen kann. Wir hatten ja auf Gofundme fast 5700 Franken gesammelt und reisten einerseits mit Schulmaterial, andererseits mit dieser Spende als Überraschung an. Vor Ort schauten wir gemeinsam mit Edward und anderen Helfern, wie man diese am besten einsetzen könnte.
Auf welche Idee seid ihr gekommen?
Die grösste Schwierigkeit im Kinderheim Kisa Foundation ist offenbar, jeden Monat genug Essen für die vielen Kinder zusammenzubekommen. Also war schnell klar – das Geld wird am besten in Land investiert. Vor allem hat es unter den Betreuern des Kinderheims auch Landwirte, die helfen können, eigenes Essen anzupflanzen.
Warst du beim Landkauf dabei?
Bei der Landbesichtigung im Bezirk von Nansana war ich dabei, beim Kaufabschluss nicht mehr. Aber ich weiss, dass das Kinderheim jetzt zwei Felder fast so gross wie Fussballfelder besitzt, einen weiteren Teil hat Edward in Schulmaterial investiert.
Was wird auf den Feldern angepflanzt?
Dieses Jahr ist alles noch im Aufbau, aber ich vermute, dass dort vor allem Mais und Früchte angepflanzt werden, das sind die Hauptnahrungsmittel.
Jetzt aber: Wie kommst du vom Mais zum Kaffee?
Ich wollte etwas Beständiges schaffen. Michael Muguluma, ein Bruder von Edward, arbeitet bei einer Kaffeefirma, die auch exportiert, allerdings bisher nicht in die Schweiz. Zum Abschied hat er uns je ein Kilo geschenkt, und der Kaffee kam hier sofort gut an, weil er so kräftig ist. Da war schnell klar: Das ist eine gute Sache, um das Kinderheim dauerhaft zu unterstützen.
Wie funktioniert das?
Wenn wir Kaffee aus Uganda trinken, soll auch in Uganda etwas davon ankommen. «Direkt, fair und nachvollziehbar», wie wir auf der Website schreiben. Ziel ist es, das Kinderheim mit jedem verkauften Paket zu unterstützen: Pro Tüte Kaffee gehen zwei Franken an das Kinderheim Kisa Foundation. Damit können sie Schulmaterial kaufen, Klassenzimmer einrichten oder Essen besorgen.
Wie aber baut man einen Kaffeehandel auf?
Das war eine coole Zusammenarbeit: Mugulumas sind extrem zuverlässig, sie suchten einen Exporteur und haben ugandaseitig alles organisiert. Ich kümmerte mich um die Bedingungen bei der Fluggesellschaft Brussels Airlines, um die Zollfragen und den Spediteur in der Schweiz.
Kommt der Kaffee fixfertig in die Schweiz?
Nein, geliefert werden die reifen Bohnen. Ich habe dann eine Röstfirma gesucht, die diese Bohnen in der Schweiz röstet und abfüllt. Blasercafé war auf Anfrage sofort bereit, uns zu unterstützen, und machte uns günstige Bedingungen.
Du bist aber immer noch Mediamatiker-Lehrling, oder machst du jetzt voll auf Kaffeeimporteur?
Die Lehre mache ich unbedingt noch fertig, inzwischen bin ich im dritten Lehrjahr und arbeite im Bundeshaus. Meine Ausbildner sind jedoch über den Kaffeehandel informiert und unterstützen das Projekt.
Gereist bist du mit deinem Cousin Joshua Zaugg, dein Geschäftspartner heisst Gavin Hostettler. Wie kommt das?
Gavin kenne ich von der Berufsschule, und er war eigentlich von Anfang an dabei: Er half mir, Werbung zu machen, und gab uns einen ganzen Stapel Fussballtrikots für die Kinder mit. Jetzt ist er voll mit eingestiegen, während mein Cousin Joshua nach seinem Lehrabschluss andere Projekte weiterverfolgt.
Du hast dieser Tage offenbar noch ein Sonderprojekt vor dir …
Genau: Da die meisten Spender über BERN-OST gekommen sind, möchte ich all diesen fast 40 Leuten, die mein Projekt damals unterstützt haben, ein kostenloses Probier-Set senden: Es liegt mir am Herzen, den Leuten etwas zurückzugeben.
Und dann geht es los.
Momentan sind wir noch am Feinschliff, aber wir gehen am 18. Juli 2026 mit unserem Projekt an die Öffentlichkeit und sind wahnsinnig gespannt, wie unsere Idee läuft: Es soll nicht daherkommen als «Wir gehen armen Kindern helfen», sondern vielmehr als: «Wir unterstützen unsere Kollegen aus Uganda mit einem cleveren Kaffeeprojekt.» Wenn es gut läuft, möchte ich so bald wie möglich mit Gavin nach Nansana reisen und das Projekt vor Ort dokumentieren. Das Ziel ist schon etwas Grosses – ich versuche, alles was ich mache, möglichst gut zu machen.
Victoria Coffee
In einer ersten Charge werden nur 250-Gramm-Beutel verkauft, damit möglichst viele Leute probieren können. Vom Verkaufspreis von 12.90 Franken gehen zwei Franken an die Kisa-Foundation. Später wirde es Halbkilo- und Kilosäcke geben, für Bars und Kaffeees auch Zweikilo-Plus-Säcke.
Zum Start sind 210 Packungen vorbereitet, wenn der Kaffee gut ankommt, können Janic Zaugg und Gavin Hostettler bis zu einer Tonne nachbestellen. Nach zwei, drei Wochen steht dann die nächste Lieferung bereit.
Mehr Infos: Victoria Coffee und Instagram