Von der Schweinezucht zum Kultlokal
Aus einer Futtermühle wurde ein Konzertlokal, das weit über die Region hinaus bekannt ist. Zum Jubiläum feiert die Mühle Hunziken ihre Geschichte und schaut zurück.
Polo Hofer spielte hier über 70 Konzerte. Span standen als erste Rockband auf der kleinen Bühne. Philipp Fankhauser kam erst als junger Besucher mit einer Demokassette im Sack, später wohnte und arbeitete er in der Mühle. In Rubigen wurde Berner Musikgeschichte geschrieben. Dieses Jahr feiert die Mühle Hunziken ihren 50. Geburtstag und manche mögen sich fragen: «Sind wir tatsächlich schon so alt?»
Am Anfang standen Schweine und Futtermehl
Dass daraus ein Konzertlokal werden würde, dachte beim Kauf noch niemand. Peter Burkhart, bekannt als «Mühli-Pesche», entdeckte die Futtermühle Anfang der 70er-Jahre zufällig. Bald kaufte er sie und zog mit Familie und Freunden ein.
Burkhart bildete sich zum Viehhändler weiter, produzierte Futter und hielt Schweine. Als die Sojapreise durch die Decke gingen, musste er am Loeb-Egge in Bern Crêpes verkaufen, um sich über Wasser zu halten. Danach baute er die Mühle zum Konzertlokal um. 1976 fand der erste Kulturanlass statt: ein Kinderzirkus.
So ein Lokal gibts nur einmal
Burkhart setzte mit der Einrichtung des Lokals ein Zeichen. Die Mühle war und ist bis heute ein Ort zum Träumen. Ob Rösslispiel-Figuren, ausgestopfte Tiere, ein Schweinekopf und alte Flipperkästen. Ohne diese Sammelstücke wäre die Mühle Hunziken nicht zum Kult-Lokal geworden.
Zusammen mit der Musik entstand in diesen Räumen eine Atmosphäre, die süchtig machte. Man kam immer wieder zurück und besuchte Konzerte, spielte Billard oder stand am Töggelikasten bis die Hände schmerzten. Die Mühle Hunziken war speziell. Ein Ort mit Charakter.
Von Patent Ochsner bis Canned Heat
Auch die Verbundenheit der Musikerinnen und Musiker hielt über die Jahre. Als Patent Ochsner erstmals dort auftraten, dachte man bei «Belpmoos» an den Flugplatz und nicht an einen Mundart-Klassiker. Auch Züri West, Stiller Has und später Lo & Leduc kehrten immer wieder zurück. Die Mühle wurde zur gemeinsamen Adresse verschiedener Generationen der Berner Musikszene.
Auch internationale Grössen wie Manu Chao, Ten Years After, Marla Glen, Robert Cray und Canned Heat traten in der Mühle auf. Unvergessen bleiben auch die Konzerte des ehemaligen Stones-Gitarristen Mick Taylor. Die Mühle bot die Bühne für unzählige Abende für die Ewigkeit.
Konzertbesucherinnen und -besucher pilgerten Woche für Woche in die Mühle, um dem Blues, dem Rock oder der Comedy zu lauschen. «Fahrt no öpper uf Bärn?», rief Pesche am Ende des Abends. Spontan entstanden jeweils Mitfahrgelegenheiten, woraus sich wieder neue Freundschaften bildeten.
Der Krach nach der Übergabe
Zur Geschichte der Mühle gehört auch ein jahrelanger Streit. Nachdem Peter Burkhart 2011 die Leitung abgegeben hatte und nach Frankreich gezogen war, überwarf er sich mit den neuen Betreibern um Philipp Fankhauser und Burkharts Sohn Thomas. Der geplante Verkauf der Liegenschaft war gescheitert, der Konflikt führte zu gegenseitigen Klagen. Dem Mühle-Fan tat es weh, über diesen Streit in den Medien zu lesen.
Erst Jahre später einigten sich die Parteien vor Gericht. Zwei Pensionskassen kauften die Gebäude, die offenen Klagen wurden fallengelassen. Knapp drei Wochen später starb «Mühli-Pesche» an Weihnachten im Alter von 72 Jahren.
Hier unser Interview mit den Mühle-Betreibern Lea Born und Chrigu Stuber. Sie sagen, wie Rockstars im Backstage auf die Pauke hauen und welches Konzert unvergessen bleibt.
Die Musikszene feiert mit
Zum 50. Jubiläum stehen Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne, die das Lokal laut Veranstaltern zusammen über 200 Mal ausverkauft haben. Durch die Abende führt Bänz Friedli. Seit der Gründung verzeichnete die Mühle nach eigenen Angaben weit über zwei Millionen Besuche. Dahinter stehen unzählige Konzertabende und persönliche Erinnerungen.
Das Jubiläum geht weiter
Die fünf Shows vom 25. bis 29. November sind ausverkauft. Im kommenden Frühling folgen drei bestuhlte Jubiläumsabende mit Gesprächen, Livemusik und Aufnahmen aus dem Archiv. Sam Mumenthaler und Andi Hug gestalten das Programm.
Den Auftakt macht am 10. Februar eine Hommage an die Anfänge und an «Mühli-Pesche». Im Mai geht es auch darum, wie eigenwillige Kulturorte ausserhalb der grossen Städte über Jahrzehnte bestehen. Eine Frage, zu der die Mühle Hunziken nach einem halben Jahrhundert einiges zu erzählen hat.