Jaucheleitung auf dem Golpisberg

Walkringens frisches Trinkwasser ist sichergestellt

Zwei Jahrzehnte lang diskutierten die Gemeinde Walkringen und zwei Besitzer des Landes auf dem Golpisberg um zwei Gülleleitungen: Im Fall eines Lecks könnten diese das Trinkwasser aus der Quellfassung Deichelhulle gefährden. Jetzt haben sich Gemeinde und Besitzer geeinigt, die Leitungen werden repariert und das Trinkwasser ist schon bald gut geschützt.

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Gemeindepräsident Christof Aeschlimann freut sich: Walkringen hat sich mit den beiden Bauern auf dem Golpisberg geeinigt. (Foto: walkringen.ch)

Es war eine lange Geschichte, die kürzlich in Walkringen ihr gutes Ende gefunden hat. An sich ist sie schnell zusammengefasst: Auf dem Golpisberg liegt eine Grundwasserschutzzone. Zwei veraltete Jaucheleitungen führen durch das Gebiet, und falls sie eines Tages lecken, bedrohen sie die Schutzzone und das darin liegende Trinkwasserreservoir. Die Sache war also von Anfang an klar: Die Bschüttileitungen müssen saniert werden.

 

Die Geschichte fängt 2006 an

Klingt einfach. War es aber bisher überhaupt nicht, denn die entscheidende Frage lautete: «Wer bezahlt?» Die Diskussion um die Schutzzone auf dem Golpisberg zog sich über zwei Jahrzehnte hin: 2006 überprüfte die Gemeinde ihre Schutzzonen und entschied sich diese beizubehalten. Zehn Jahre später wurde 2016 das Schutzzonenreglement genehmigt. Und damit kam der grosse Stolperstein zutage: Damit das Trinkwasser der Gemeinde aus der Quellfassung Deichelhulle nicht verunreinigt wird, verlangt der Gewässerschutz doppelwändige Jaucheleitungen.

 

Gülleleitung sanieren und ersetzen

Das wiederum bedeutete: Die ältere Gülleleitung musste vollständig ersetzt, die neuere saniert werden. Und hier ging die Diskussion los: Schutzzone und Trinkwasser sind Gemeinde-Angelegenheiten, die fraglichen Leitungen hingegen sind im Besitz der beiden Landwirte Martin Wüthrich und Marcel Müller. Wer also musste für die Sanierung der Jaucheleitungen aufkommen? 

 

Die Sache mit dem Trinkwasser

Im Dezember 2020 legte der Gemeinderat der Gemeindeversammlung ein entsprechendes Bauprojekt vor und liess das Volk über einen Verpflichtungskredit von rund 270’500 Franken abstimmen. Das Geschäft fiel allerdings an der Urnenabstimmung durch, vielleicht, weil der Hintergrund mit dem Trinkwasser zu wenig klar herauskam, wie der damalige Gemeindepräsident Peter Stucki vermutete. Und von da an verhärteten sich die Fronten.

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Das Trinkwasser von Walkringen ist bald nicht mehr von allenfalls leckenden Gülleleitungen bedroht. (Foto: pixabay.com)

Auch die Anwälte konnten es nicht richten

Am Ende kommunizierten Besitzer und Gemeinde nur noch über ihre Anwälte, aber die Leitung wurde dadurch nicht besser – eine verfahrene Situation. Und eine, die Gemeindepräsident Christof Aeschlimann so nicht akzeptieren wollte: Schon kurz nach seinem Amtsantritt setzte er den Punkt oben auf seine To-Do-Liste und betonte, man müsse «auch für Brenzliges» möglichst rasch eine Lösung finden, die für Gemeinde und Betroffene stimmt.

 

Neue Leitung bedeutet Mehrwert

Das sei inzwischen gelungen, sagt er heute zufrieden: «Wir haben einander schnell gefunden.» Man habe sich in konstruktiven Gesprächen auf Augenhöhe geeinigt, dass die neue Leitung für die Bauern einen Mehrwert bedeute, und abgemacht, dass die beiden sich mit 33'000 Franken beteiligen. Weil man gewisse Projektoptimierungen vorgenommen habe, seien die Kosten, auch jene für die Gemeinde, überblickbar geworden.

 

Diesmal mit dem Trinkwasser im Fokus

Der jetzt verbleibende Kredit von 97'000 Franken unterliegt einzig dem fakultativen Finanzreferendum. Umso klarer informierte der Gemeinderat an einer Veranstaltung, um der Bevölkerung nahezubringen, dass es letztlich um ihr Trinkwasser geht. Offensichtlich ist die Botschaft dieses Mal angekommen: Das  Stimmvolk hätte ein Referendum einreichen können, inzwischen ist jedoch die Frist ohne Einsprache abgelaufen.

 

Ende gut, alles gut

Gemeindepräsident Aeschlimann ist nach all den Diskussionen und hohen Anwaltskosten erleichtert: «Jetzt kann die Gemeinde vorwärts machen und das Trinkwasser, unser kostbarstes Gut, endlich schützen.» Der Baustart ist auf den kommenden April angesetzt, bis im Juni oder Juli sollten die Leitungen saniert sein. Damit nimmt ein erbittertes Hin und Her ein friedliches Ende, Grundwasserschutz und sauberes Wasser werden sichergestellt und Aeschlimann sagt zufrieden: «Jetzt ist diese lange Geschichte an einem guten Ort.»


Autor:in
Claudia Weiss, claudia.weiss@bern-ost.ch
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Erstellt: 25.03.2026
Geändert: 25.03.2026
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