«Was mir Sorgen macht, ist der Zeitdruck»
Blasen an den Füssen, kalte Nächte im Zelt und eine Kletterei nahe an seiner Grenze: Timothé Buri hat die Hälfte seiner Tour quer durch die Schweiz geschafft. Jetzt wird die Zeit knapp. Schon am Dienstag muss er wieder arbeiten.
Timothé Buri (19) aus Münsingen durchquert die Schweiz zu Fuss und wenn es nicht mehr anders geht, mit einem kleinen Schlauchboot. Seine Route folgt einer geraden Linie, von der er höchstens einen halben Kilometer nach links oder rechts abweichen will. Auf seiner 300 Kilometer langen Strecke von Genf bis an den Bodensee hat er schon einiges erlebt. BERN-OST hat ihn unterwegs erreicht und nach seinen bisherigen Erlebnissen gefragt.
BERN-OST: Timothé, die Hälfte ist geschafft. Wo bist du gerade, und wie geht es deinen Füssen?
Timothé Buri: Die Hälfte habe ich hinter mir. Ich bin bald in Entlebuch, also schon bald im Kanton Luzern. Am rechten Fuss habe ich vier Blasen, zwei ältere. Ich spüre die Füsse schon, aber es ist ok.
Wie geht’s im Kopf?
Am Weekend waren meine Eltern und mein Bruder wandern gekommen. Gestern kam noch ein Freund. Das hilft schon. Jeden Tag ist man ein wenig näher am Ziel. Das Anspruchsvollste habe ich hinter mir.
Ist es langweilig, allein unterwegs zu sein?
Es ist schon ein wenig eintönig. Beispielsweise heute habe ich noch kaum Leute gesehen.
Vor dem Start hast du gesagt: «Ich möchte an meine Grenzen kommen.» Was hat dich bisher am stärksten gefordert?
Reinkommen und meinen Rhythmus zu finden war schwierig. Ich wusste, dass ich zu Beginn viele Kilometer machen musste, weil ich bei gutem Wetter über den Genfersee wollte. Das hat auch viel Kraft gekostet.
Vor der Überquerung des Genfersees hattest du Respekt. Wie ist es dir im kleinen Boot ergangen?
Damals hatte ich noch kein Training. Ich habe danach mit dem Raft trainiert, auch mit jemandem, der sich darin auskennt. Ich merkte, dass es machbar ist. Die Seeüberquerung war dann weniger anstrengend, als ich dachte.
Über den See wurde ich von meinen Grosseltern im Segelboot begleitet. Ich habe im Training zwei Drittel der Strecke mal zurückgelegt. Für die 14 Kilometer von Evian nach Vevey habe ich knapp unter drei Stunden benötigt. Einmal konnte ich im Schatten des Segelbootes eine Pause einlegen.
Wie war es mit Strömungen oder anderen Booten?
Schiffe hatte es keine, da ich am Mittwoch unterwegs war. In der zweiten Hälfte hat es zu regnen begonnen, was auch mühsam war. Unterwegs schaute ein paar Mal zurück und Evian war dann schon weit weg. Als ich ankam, sah ich die andere Seite leider nicht mehr.
Bist du stolz darauf?
Ja, eigentlich schon. Mein Grossvater sagte jedenfalls, er habe so was noch nie auf dem Genfersee gesehen. (lacht)
Danach kamen die Freiburger Alpen. Wie anstrengend war dies?
Beim Klettersteig am Moléson war es neblig und nass. Beim Abstieg ging es sehr steil runter. Mit dem Rucksack diese 350 Höhenmeter zurückzulegen, das war schon heftig. Die Nässe, war kein grosses Problem. Aber es hatte Nebel und die Sicht war schlecht. Das war schon ein hartes Stück Arbeit. Meine Mutter wartete oben und trank einen Kaffee. Das tat gut, auch zu wissen, dass jemand in der Nähe ist. Aber am Ende ging alles gut.
Wie war’s bis jetzt mit dem Wetter?
Es hat viel geregnet, es hatte Nebel und es war kalt. Aber das gehört dazu. Als ich auf 1600 Metern im Zelt übernachtete, war es am Morgen nur ein Grad und es war gefroren.
Hast du immer im Zelt übernachtet?
Oberhalb des Schwarzsees konnte ich in einer Alphütte übernachten und die Kleider trocknen lassen. Da hat ein Dach über dem Kopf sehr gutgetan.
Du darfst deinen schmalen Korridor quer durch die Schweiz nur im Notfall verlassen. Wo hat dich diese Regel bisher am meisten ins Schwitzen gebracht?
Auf der Karte sieht es einfacher aus, als es dann ist. Ich musste den Korridor auch schon verlassen, weil eine Felswand im Wege war und ich nicht durch konnte. Oder es hat Zäune und ich musste auf dem Wanderweg bleiben. Ich versuche, es einzuhalten, aber es geht nicht immer. Manchmal muss ich halt auch quer über eine Kuhweide oder durch den Wald, das gehört dazu.
Welches Erlebnis wirst du zuhause als Erstes erzählen?
Das war schon der Klettersteig am Moléson. Das war schon cool, es geschafft zu haben. Da war ich schon fast an meinen Grenzen. Wenn ich nicht müsste, würde ich das nicht machen.
Was macht dir für die zweite Hälfte am meisten Sorgen?
Was mir Sorgen macht, ist der Zeitdruck. Ich muss am Dienstag wieder arbeiten. Das hätte ich besser planen müssen. Wenn alles planmässig geht, sollte es klappen. Hier kenne ich die Gegend nicht so gut, von dem her bin ich gespannt, was noch kommt.
Hast du das Raft noch dabei?
Ja, das benötige ich noch für die Querung des Zuger- und Zürisees. Für den Bodensee aber nicht mehr. Wenn ich Arbon erreiche, bin ich am Ziel.
Die Reise quer durch die Schweiz – The Line
Auf seiner Reise zu Fuss durch die Schweiz hat er Proviant, ein Schlauchboot, Zelt, Kocher und Kletterausrüstung bei sich. Die Reise begann in Genf, Timothé paddelte 14 Kilometer über den Genfersee von Evian nach Vevey. Danach gings zu Fuss über die Freiburger Alpen, Gurnigel nach Steffisburg. Von dort gehts weiter via Luzern bis an den Bodensee.
Das ist ein Klettersteig
Ein Klettersteig führt durch steiles, felsiges Gelände. Stahlseile, Eisenbügel und Leitern helfen beim Aufstieg. Wer die Route begeht, trägt einen Klettergurt und sichert sich mit Karabinern am Stahlseil. Je nach Route braucht es viel Kraft und Schwindelfreiheit.
Timothé auf Instagram
Timothé Buri berichtet täglich von seinem Abenteuer auf Instagram
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Das Interview mit Timothé wurde telefonisch am Montag geführt.