Tempo 20 in Worb

Tempo 20 in Worb: Mehr Sicherheit oder fragwürdiger Entscheid?

Zu viele Autos fahren immer noch durch die Worber Bahnhofstrasse. Deshalb kommt jetzt eine Tempo-20-Zone. Der Gemeinderat spricht über die Gründe und sagt warum dies gelebte Demokratie ist. 

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Urs Gerber: «Der Weg über die Bahnhofstrasse ist keine Abkürzung.» (Foto: rb/zvg)

Die Wogen gingen hoch, als wir Anfang April berichteten, dass der Verkehr künftig langsamer auf der Bahnhofstrasse in Worb fliessen soll. Die Bahnhofstrasse führt vom Migros-Kreisel bis zur Löwen-Kreuzung. Seit der Sanierung gilt in der Bahnhofstrasse Tempo 30. Dennoch habe es immer wieder Rückmeldungen aus der Bevölkerung gegeben, die sich unsicher fühlen, sagt Gemeinderat Urs Gerber (Grüne).

 

«Insbesondere ältere Menschen sowie Eltern von Schulkindern wendeten sich an uns mit der Bitte, die Bahnhofstrasse sicherer zu machen.» Zudem wurde die mangelnde Verkehrssicherheit in einer Petition, in politischen Vorstössen und in einer Umfrage des Kantons kritisiert.

 

Das ändert sich auf der Bahnhofstrasse

Der Gemeinderat bildete eine Spezialkommission, in der alle nach einer Lösung suchten. Diese Lösung wurde breit beraten und soll im nächsten Jahr eingeführt werden. Der Gemeinderat hat folgende Massnahmen beschlossen:

 

Tempo-20-Zone: Zwischen Altersheim und dem Restaurant Hirschen gilt künftig Tempo 20. Die Zone wird am Boden markiert, ähnlich wie bereits vor dem Restaurant Sternen. In diesem Bereich haben Fussgänger Vortritt.

Neue Position des Fussgängerstreifens: Der bisherige Streifen bei der Tagesschule wird aufgehoben und Richtung Bahnhof verschoben.

Anpassung der Postautolinie: Die Postautos verkehren künftig nur noch vom Migros-Kreisel Richtung Bahnhof durch die Bahnhofstrasse. Bei der Wegfahrt vom Bahnhof, fahren sie durch die Hauptstrasse (beim Coop) via Bernstrasse zum Migros-Kreisel.

Neue Haltestelle: Beim Wislepark wird eine zusätzliche Haltestelle geschaffen.

Das sagt der Gemeinderat

Für viele Leute scheint die Tempo-20-Zone ein unverständlicher Schritt. In Kommentaren wurde provokativ kritisiert: «Werde künftig im ersten Gang durch Worb fahren.» Der zuständige Gemeinderat Urs Gerber sagt zu Tempo 20: «Das macht dort Sinn, es gilt vor dem Altersheim, der Tagesschule und dem Kinderspielplatz. Das führt zu mehr Sicherheit.»

 

Ein Auslöser dieser Massnahme sei, dass immer noch zu viele Autos durch die Bahnhofstrasse fahren. «Der Verkehr hat sich reduziert, aber nicht so stark, wie erwartet. Wer vom Migros-Kreisel Richtung Boll will, sollte die Umfahrung benutzen. In der Regel ist man aussenrum schneller», so Gerber.

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Urs Gerber: «Über die Hälfte äusserte sich positiv zu Tempo 30.» (Foto: zvg)

Verkehr um 10'000 Autos reduziert

Nach der Sanierung habe man mit verschiedenen Massnahmen versucht, den Verkehr zu reduzieren. Erst mit einer Tempo-30-Zone, dann mit einem Fahrverbot für Lastwagen (Zubringer noch möglich).

 

Früher fuhren 15'000 Fahrzeuge mit Tempo 50 durch die Bahnhofstrasse, heute sind es noch um die 5500 Autos pro Tag. Ziel wären 3500 Autos pro Tag. Gerber sagt: «Die Leute können wir nicht ändern, aber mit Tempo 20 wird die Durchfahrt vielleicht ein wenig mühsamer.»

 

Umfahrung nutzen – Zentrum meiden

Der Weg über die Bahnhofstrasse sei keine Abkürzung, so Gerber. In Stosszeiten komme es beim Restaurant Löwen sowie beim RBS-Bahnübergang immer wieder zu Wartezeiten. Wer die Umfahrung benütze, könne flüssiger fahren, habe keinen Bahnübergang und komme schneller ans Ziel, sagt Gemeinderat Gerber.  

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Blau: Route von Worb Richtung Boll über die Umfahrungsstrasse (Tunnel). Rot: Bahnhofstrasse. Gelb: Tempo-20-Zone. (Plan: GoogleMaps)

Lob für Tempo 30

Angesprochen auf die Kommentare und die (nicht repräsentative) BERN-OST-Umfrage zum Tempo-Entscheid, sagt Urs Gerber: «Ich fand dies sehr interessant, über die Hälfte äusserte sich positiv zu Tempo 30. Das ist doch sehr erfreulich!» Es gab aber auch solche, die sich Tempo 50 (20 Prozent stimmten dafür) zurück wünschten.

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BERN-OST-Umfrage zur Tempo-20-Zone von Anfang April. (Grafik: BERN-OST)

«Ein Fest der Demokratie»

Gerber sagt weiter: «Die wahre Demokratie fand in der Spezialkommission statt. Dort diskutierten Betroffene mit sehr verschiedenen Standpunkten zu Verkehrsfragen miteinander und haben einen Kompromiss gesucht. Das ist ein wahres Fest der Demokratie!» Die Lösung liege nun bereit und werde im nächsten Jahr eingeführt. Das sei kein Testversuch, sondern die definitive Lösung.

Vorgeschichte - Unterschriftensammlung

Die Bahnhofstrasse Worb wurde 2018 saniert und in eine Tempo-30-Zone umgewandelt. In Tempo-30-Zonen gibt es in der Regel keine Fussgängerstreifen. Fussgänger und Autofahrer sollen den Blickkontakt suchen und danach die Strasse überqueren. Für Kinder sowie auch Leute mit einer Seh- oder Gehbehinderung kann dies problematisch sein.

 

Schon bald gab es erste politische Vorstösse, die Fussgängerstreifen forderten. Es wurden 500 Unterschriften gesammelt und in der Volksmotion «Mehr Sicherheit für Fussgänger auf der Bahnhofstrasse» an den Gemeinderat übergeben.

 

Suche nach einem Kompromiss

Danach bildete der Gemeinderat eine Spezialkommission, bestehend aus Anwohnern, Gewerbevertretern, Vertreterinnen der Schule, Eltern, der Generation Ü65, des Altersheims, Menschen mit Beeinträchtigung, Jugend, Gemeinde sowie des Postautobetriebs und einer Vertretung der Volksmotion.

 

Möglichst viele Akteursgruppen sollten vertreten sein, ihre Perspektiven einbringen und eine Lösung erarbeiten, um die Bahnhofstrasse sicherer zu machen. Während Monaten wurde diskutiert, das Ergebnis ist jetzt die erwähnte Tempo-20-Zone zwischen Altersheim und Hirschen, eine neue Postautoführung sowie ein verschobener Fussgängerstreifen.


Autor:in
Nicht von KI, sondern von Rolf Blaser, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 24.04.2026
Geändert: 24.04.2026
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