Gasthof Löwen Landiswil

Ein Generationenwechsel mit Hindernissen

Seit fast drei Jahren wartet das Wirtepaar Annemarie und Fritz Schütz. Darauf, dass sie im Stöckli neben dem Gasthof Löwen Landiswil ihre Alterswohnung bauen dürfen. Und darauf, dass sie dann endlich den Gasthof an ihre vier Kinder – die sechste Generation – abgeben können. Aber die Ämter haben sie offenbar vergessen.

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Das Wirtepaar Annemarie und Fritz Schütz macht vorläufig weiter - wohl oder übel. (Foto: cw)

Die Kälte sitzt in den Gelenken, und das Treppenlaufen fällt mit den Jahren auch nicht leichter: Eigentlich fände das Wirtepaar Annemarie und Fritz Schütz schön, sie könnten den Gasthof Löwen in Landiswil langsam an die Jungen übergeben. Die Schützes wirten seit über vierzig Jahren im Löwen, mit ihren vier erwachsenen Kindern stünde bereits die sechste Generation in den Startlöchern.

 

Seit drei Jahren warten sie

Aber die Übergabe harzt. Schon seit drei Jahren läuft nichts. Dabei hätte das Wirtepaar alles schon vor Corona einfädeln wollen, stattdessen warteten sie noch, bis das «Corona-Gestürm» abgeflaut war. 2023 trafen sie sich dann mit einem Fachmann, um den Generationenwechsel endlich aufzugleisen. Die vier Kinder planten, den Gasthof gemeinsam als Aktiengesellschaft zu führen. Die Töchter Marie-Luise, gelernte Servicefachfrau, und Yvonne, gelernte Kauffrau, helfen regelmässig im Löwen mit, Sohn Fritz junior hat Koch und Service gelernt und ist Projektleiter Gastroküchenbau.

 

Eine Wohnung für sich, eine für die Familie

Im Stöckli möchten Schützes daher zwei Wohnungen einbauen lassen: Eine für sich – zurzeit wohnen sie noch in den Zimmern über dem Gasthof –, allenfalls eine zweite für ein Familienmitglied. «Das gäbe zwei schöne Wohnungen», sagt Annemarie Schütz. Einst hiess es, per 2024 könnten sie loslegen. Aber die Ämter lassen sie warten. 

 

«Suchen Sie Privatinvestoren»

Nach mehrmaligen Anrufen beim Statthalteramt erhielten sie die lapidare Antwort: «Tut uns leid, wir haben Sie ein wenig vergessen.» Irgendwann erklärten ihnen dann der Notar aus Biglen und ein Bankangestellter, es sehe sowieso nicht rosig aus: «Mit der AHV können Sie nicht mehr bauen», hiess es. Und: «Es reicht vielleicht ohnehin nicht, Sie sollten besser Privatinvestoren suchen.» Ein anderer Vorschlag lautete, sie sollten doch einfach ein Stück Land abparzellieren.

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Der Löwen Landiswil soll den Gästen erhalten bleiben. (Foto: pg)

Bei der Übergabe ausgebremst

Enttäuscht schüttelt Annemarie Schütz den Kopf. «Mein Mann ist müde vom Anrufen beim Statthalteramt, seither liegt das Ganze einfach.» Dabei wäre alles so gut aufgegangen, das Stöckli stehe ja bereits, und sie wären gern in eine Stöckli-Wohnung gezogen. Aber daraus wird so schnell nichts: «Wir sind sozusagen gefangen im Gehege der Behörden», sagt Fritz Schütz mit Galgenhumor. «Alle sagen, man soll rechtzeitig an Übergabe denken, und wenn man will, bremsen sie einen.»

 

Darum machen sie halt weiter

Und so wirten Annemarie und Fritz Schütz vorderhand weiter. Ideal gelegen sei der Gasthof nicht, so nebenaussen, sagen sie nüchtern. Und dennoch möchten sie dem Dorf die Wirtschaft erhalten: «Wenn wir das Haus verkaufen, werden wahrscheinlich Wohnungen eingebaut.» Das möchten sie nicht.

 

Die Stammgäste freut’s

An einem Winter-Freitagabend sitzen jedoch vier Gäste am Stammtisch und plaudern angeregt. Als ein Gast hört, dass es um einen Beitrag über den Gasthof geht, ruft er spontan: «Der Löwen würde uns auf jeden Fall schampar fehlen.» Und die Frau neben ihm ergänzt: «Ja, es ist schön, können wir uns hier noch ein bisschen ‘Löu’ sagen und dann ist wieder alles gut.»

 

Die Schützes würden lieber aufatmen

Für die Familie Schütz hingegen ist nicht so schnell wieder alles gut. Sie würden aufatmen, könnten sie den Gasthof Löwen weitergeben und wüssten, dass er dem Dorf trotzdem erhalten bleibt. Sie selbst würden dann gemütlich nebenan im Stöckli sitzen und die schmerzenden Beine ein wenig ausstrecken.

Hier geht’s zur BERN-OST-Seite des Löwen Landiswil 

Hier geht’s zum Beitrag des Löwen Landiswil «Bi üs ir Beiz» auf BERN-OST


Autor:in
Claudia Weiss, claudia.weiss@bern-ost.ch
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Erstellt: 08.02.2026
Geändert: 08.02.2026
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