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Dominic Stricker: "Im Moment setze ich voll aufs Tennis"

Aktuell läuft es gut bei Dominic Stricker – sehr gut sogar. Soeben ist der 16-jährige Grosshöchstetter aus Israel zurückgekehrt, wo er den bisher grössten Erfolg feiern und sich damit unter den Top 70 der Junioren-Weltrangliste einreihen konnte. Anfang Januar geht es für die Tennis-Nachwuchshoffnung weiter nach Melbourne. Mit BERN-OST sprach Dominic Stricker über die Anfänge, Nutellaschnitten und seine Ziele.

Das erste Turnier spielte er im Alter von 10 Jahren: Dominic Stricker zu Hause in Grosshöchstetten mit der Einzel-Trophäe aus Tel Aviv - und allen bisher errungenen Pokalen und Medaillen. (Bild: Eva Tschannen)
Erfolgreiches Tennisjahr: Beim Turnier in Pontevedra (Spanien) im Oktober musste Dominic erst im Final eine Niederlage einstecken. (Bild: zvg)
Beeindruckende Bilanz: Aus Israel kehrte der Grosshöchstetter mit fünf Finaleinzügen - darunter zwei Einzelsiege sowie ein Doppelsieg - zurück. (Bild: zvg)
Training in der Heimat: Dominic Stricker im Herbst auf dem Platz des TC Grosshöchstetten. (Bild: zvg)

BERN-OST: Von grossen Sportlern hört man häufig, dass sie bereits als sehr kleine Kinder einen Ball oder Schläger in den Händen hielten. Wie war dies bei dir?

Dominic Stricker: Meine erste Kindheitserinnerung ist tatsächlich die an einen Tischtennis-Schläger mit Tischtennisball. Ich war noch nicht einmal ein Jahr alt, als meine Eltern bei meinem Stuhl an der Decke einen Ball angemacht haben und mir einen Tischtennis-Schläger gegeben haben. Anschliessend habe ich immer auf diese Bällchen geschlagen (lacht).

 

Du stammst aus einer Tischtennis-Familie – dein Vater war einst Schweizermeister. Wie kam es, dass du zum Tennis gewechselt hast?

Als ich sechs Jahre alt war, hat Roger Meylan angerufen. Sein Sohn spielte sehr gut Tennis und er suchte jemanden in seinem Alter. Ich war zuvor bei Roger Meylans Schwester in einem Schnuppertenniskurs und vermutlich hat sie ihm gesagt, dass ich Talent habe. Er hat dann angefangen mit mir und seinem Sohn zu trainieren. Es hat mir gefallen und wir sind beide immer besser geworden. Lustigerweise sind wir nun Zimmerpartner.

 

Du lebst seit August in Biel, bist nur noch am Wochenende in Grosshöchstetten. Was ist seither anders geworden?

Anders ist, dass ich jetzt alles selber lernen muss. Auch was die Schul-Aufgaben betrifft. Früher hat mir meine Mutter relativ viel geholfen. Allgemein bin ich nun selbständiger und muss viel disziplinierter sein. Anfangs fiel mir dies schwer, mittlerweile geht es aber gut.

 

Was ist in Bezug auf das Tennis anders? Spielen auch Sachen wie die Ernährung vermehrt eine Rolle?

Der Vorteil ist, dass ich mehr trainieren kann. Die Zeit die ich vorher fürs Pendeln brauchte, kann ich nun fürs Training nutzen. Dadurch kennen mich auch die Trainer besser. Und ja – es gibt ein Nutellaschnittenverbot. Aber wenn jemand ein gutes Turnier spielt, erhält diejenige Person Nutella und die teilen wir dann. Im Moment haben wir gerade eines (lacht).

 

Vermutlich auch dank deiner tollen Bilanz aus Israel: Zwei U18-Turnier-Siege im Einzel und einen im Doppel. Was bedeuten dir diese Erfolge?

Vor Israel hatte ich im Einzel noch nie ein internationales Turnier gewonnen. Als ich das Erste gewonnen habe, hat sich dies mega guet angefühlt und ‘es isch e chli Erliechterig z gspüre gsi’. Beim zweiten und dritten Turnier war ich dann in einem Flow und es lief einfach. Da ich in letzter Zeit oft gut gespielt habe, wurde ich dann via Nachselektion ins A-Kader aufgenommen – ein wirklich cooles Gefühl!

 

Hast du ein Erfolgsrezept?

Früher haben mir viele gesagt, dass ich jeweils sage, die Gegner seien sehr gut. Damals habe ich mir häufig die Resultate der Gegner angeschaut. Seit ich dies nicht mehr mache, geht es besser. Ich gehe jetzt meist auf den Platz und schaue, wie er spielt.

 

Was macht dich denn selber als Spieler aus?

Ich bin Linkshänder und spiele relativ abwechslungsreich, nicht immer dasselbe. Im Moment ist zudem meine Vorhand recht stark. Schwächen habe ich hingegen im Moment nicht gross (lacht).

 

Somit ist es bestimmt berechtigt, dass du dir grössere Ziele setzt. Wie sehen diese aus?

Ein Ziel ist der Junioren-Grand Slam. Australien möchte ich nutzen, um etwas Schnuppern zu gehen und zu schauen, wie es ist. Wenn ich bei den nächsten noch spielen darf ist mein Ziel, dass ich dort so schnell wie möglich vorne mitspielen kann. Längerfristig ist es mein Ziel, vom Tennis leben zu können und Profi zu werden.

 

Du besuchst das Sport-KV. Gibt es denn einen Plan B?

Nein, im Moment setze ich voll aufs Tennis.

 

Gibt es dabei auch Sachen, auf die es dir schwer fällt zu verzichten?

Das gibt es, aber selten. Früher kam dies häufiger vor. Beispielsweise wenn Kollegen eine Übernachtungsparty machten und ich absagen musste. Jetzt kommt dies aber eigentlich nicht mehr vor. Ich kann sagen, dass ich meinen Traum lebe.

 

[i] Dominic Stricker (16) ist in Grosshöchstetten aufgewachsen. Seit August besucht er in Biel das Sport-KV, wo er unter der Woche im Leistungszentrum von Swiss Tennis wohnt und rund 18-20 Stunden wöchentlich trainiert. Als Ausgleich zum Tennis spielt er Golf oder geht Fischen. Stricker hat soeben den Sprung in die Top 70 des ITF Junior World Rankings geschafft und wurde ins A-Kader aufgenommen. Im Januar spielt er in Australien seinen ersten Junioren-Grand-Slam.

 

[i] Für aktuelle Resultate und weitere Informationen zu Dominic Stricker: www.dominicstricker.com


Autor
Eva Tschannen, eva.tschannen@bern-ost.ch
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Erstellt: 21.12.2018
Geändert: 21.12.2018
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