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Münsingen: Alte Sorten bringen neue Vielfalt in die Gärten der Region

Der Verein Solawi Setzhouz stellt im Secondhand-Laden «La Trouvaille» in Münsingen eine besondere Samenkiste bereit: Bis Ende März können Hobbygärtner:innen in diesem «Saatguttausch-Koffer» biologische Sämereien finden und eigenes Saatgut mit anderen teilen. Die Idee dahinter lautet: In den Gärten der Region soll eine bunte Vielfalt entstehen.

Shiran Steiner vom Secondhand-Laden «La Trouvaille» und Franziska Merz vom Verein Solawi Setzhouz präsentieren den ersten Saatguttausch-Koffer in der Region. Er enthält unter anderem Samen von Schüttmohn. (Fotos: zvg)
Ueli Schmid aus Konolfingen, auch als «Tomatenueli» bekannt, hat Samen von diversen alte Sorten gespendet.
Ueli Schmid züchtet unter anderem die Tomatensorte «Black Prince».
Zitronengurken kann man mit der Schale essen oder in den Salat scheibeln.
Haferwurzel, deren Wurzel wie die Schwarzwurzel gegessen werden kann.
Schüttmohn Planète Rouge du Jura ist sehr beliebt bei Hummeln und Bienen.

Zitronengurke, Haferwurzel, Black Prince-Tomate oder Schüttmohn: Die klingenden Namen verraten, dass es sich bei diesem Saatgut nicht um Null-Acht-Fünfzehn-Sorten handelt. Es sind alte Sorten, viele davon von Pro Specie Rara als erhaltenswert gepflegt.

 

Alte Sorten zu fördern, ist auch das Ziel des Saatguttausch-Koffers, der bis Ende März im Secondhand-Laden «La Trouvaille» in Münsingen steht: Darin finden Hobbygärtner:innen, die in ihren Gärten eine bunte Vielfalt anziehen möchten, Samen von Sorten, die sie vielleicht noch nicht kennen. Andere, die alte Sorten besitzen und überschüssiges Saatgut haben, finden dort eine Gelegenheit, Samen ihrer alten Sorten mit anderen zu teilen.

 

Sorten der Grosseltern erhalten

«Sicher gibt es in der Region Menschen, die noch Sorten ihrer Eltern oder Grosseltern im eigenen Garten anbauen», vermutet Franziska Merz. «Sie sind besonders eingeladen, ihr Saatgut zu teilen, damit ihre Sorten von möglichst vielen Menschen gesät und für die Zukunft erhalten werden können.»

 

Der Saatguttauschkoffer ist der erste in der Region. Franziska Merz hat in Bern gesehen, wie gut sich eine solche öffentlich zugängliche Box für den unkommerziellen Tausch von Samen eignet. Daraufhin hat sie beschlossen, eine solche Box auch für die Region Bern-Ost zu initiieren.

 

Biologische, unbehandelte Samen

Sie ist begeistert von der Möglichkeit: «Durch das Teilen von Saatgut finden viele verschiedene Sorten von Gemüse, Kräutern und Blumen ihren Weg in Töpfe und Beete – auch Sorten, die im herkömmlichen Samenhandel nicht verfügbar sind.» In den Saatgut-Koffer, das ist ihr wichtig, gehören aber «nur biologische, unbehandelte Samen». Und sie hofft, dass alle, die sich daraus bedienen, später bei der Ernte möglichst wieder ein paar Samen für den Saatgut-Koffer zur Seite legen.

 

Durch diesen Austausch könne man ganz einfach einen wichtigen Beitrag dazu leisten, unsere Kulturpflanzen zu erhalten, erklärt sie. «Die regelmässige Saatguternte macht, dass sich die Pflanzen besser an sich verändernde Umweltbedingungen anpassen.» Damit mit dem Saatgut nicht auch Unerwünschtes weitergegeben wird, rät sie allen Spendern, ihr Saatgut gut zu trocknen und für eine Woche einzufrieren: «Das schützt wirksam vor Käferbefall.»

 

Der Verein Setzhouz und der «Tomatenueli»

Franziska Merz ist im Verein Setzhouz, der in Münsingen solidarische Landwirtschaft (Solawi) betreibt: Dies bedeutet, dass die Vereinsmitglieder die Kosten für den Anbau tragen und dafür im Gegenzug den Ertrag in Form einer wöchentlichen Gemüsetasche erhalten. Auf der Suche nach neuen alten Sorten für den Koffer war sie dieser Tage in Konolfingen im Garten von Ueli Schmid zu Besuch und liess sich seine vielen Sorten zeigen. «Er ist ProSpecieRara-Sortenerhalter», erzählt sie. Schmid sei auch als «Tomatenueli» bekannt, da er über 180 Tomatensorten pflege und eine grosse Vielfalt an Samen und Setzlingen anbiete.

 

Von ihrem Besuch in Konolfingen kehrte Franziska Merz erfolgreich zurück: «Ueli unterstützt den Start des Saatgut-Koffers mit einer Spende von Blumen- und Gemüsesamen», freut sie sich. Samen von Schüttmohn «Planète rouge du Jura», Akelei, Brandkraut und Strohblumen bereichern jetzt die Samenkiste. Ausserdem Samen von Kirschtomate «Pedro», Tomate «Black Prince», Zitronengurke, Inkagurke, Haferwurzel, Gewürzfenchel und Winterkrautstiel. «So haben wir jetzt eine gute Basis, um zum frohen Saatguttauschen aufzurufen.»

 

[i] Spielregeln: Wer Samen aus dem Koffer holt, nimmt nur so viele, wie auch wirklich angesät werden. Wer Samen bringt, portioniert diese in Tüten und beschriftet sie mit dem Sortennamen, dem Datum der Ernte und dem Ort, wo die Pflanze gewachsen ist. Vorsicht bei Pflanzen, die sich leicht verkreuzen, wie beispielsweise Kürbis mit giftigen Zierkürbissen. Es können auch angefangene Päckchen gekauften Saatguts geteilt werden, aber nur biologische und unbehandelte Samen, kein Hybridsaatgut aus der sogenannten F1-Generation.

 

Der Saatguttausch-Koffer steht bis Ende März im Secondhand-Laden «La Trouvaille», Bernstrasse 3, 3110 Münsingen. Montag bis Freitag 10 –18 Uhr,  Samstag 10 –16 Uhr.


Autor:in
Claudia Weiss, claudia.weiss@bern-ost.ch
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Erstellt: 22.02.2024
Geändert: 22.02.2024
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