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Nach der WM-Qualifikation: Triathlet Patrick Wyss trainiert für seinen Traum
Zum Triathlon kam Patrick Wyss per Zufall. Eine Reise nach Hawaii weckte die Faszination für die trainingsintensive Sportart – und nur vier Jahre später hat sich der Konolfinger bereits für die Ironman 70,3 WM qualifiziert.
Frühmorgens die Laufschuhe schnüren und den Arbeitsweg von einer Stunde joggend zurücklegen. Oder nach Feierabend eine Trainingseinheit im Schwimmbad – alternativ bei hochsommerlichem Wetter auch mal in der Aare - absolvieren. Für Patrick Wyss (32), der Vollzeit als Kranführer tätig ist, gehört dieses Szenario zum Alltag. „Je nachdem auf welcher Baustelle ich gerade arbeite, baue ich den Weg in meinen Trainingsplan ein.“
Von der Faszination…
Rund 13 bis 16 Stunden verbringt der Niederhüniger so wöchentlich mit Laufen, Velofahren oder Schwimmen. Ein Aufwand, den er nur dank der Unterstützung, die er von seinem Umfeld und seinem Arbeitgeber erhalte, betreiben könne. Und der sich auszahlt. Ende Mai absolvierte Wyss den Ironman 70.3 in Barcelona und erreichte sogleich sein Ziel, sich für die Weltmeisterschaften in Chattanooga Tennesse (USA) zu qualifizieren.
Dies, obschon er erst seit vier Jahren auf die Karte Triathlon setzt. „Es hat mich beeindruckt, dass man aus einem einzelnen Körper so viel herausholen kann“, beschreibt Patrick Wyss den Moment, als er damals mit seiner Freundin auf Hawaii weilte und den Ironman als Zuschauer verfolgte. Zwar betrieb er bereits zuvor regelmässig Sport, spielte beim SC Konolfingen Hockey und fuhr Velo. Jedoch nicht im jetzigen Ausmass.
„Wenn ich etwas mache, dann nicht mit 95 Prozent sondern mit 120 Prozent“, sagt Wyss. So achtet der Triathlet auf die Ernährung und nutzt die 15-minütige Arbeitspause hoch oben im Kranhaus regelmässig, um Rumpfbeugen zu machen oder seine Muskulatur mit einer Blackroll zu entspannen. „Du dänksch ids sicher i spinne“, sagt er im Gespräch mit BERN-OST mit einem Schmunzeln.
… zur WM-Teilnahme
Auch er kenne jedoch Momente, in denen es ihm schwer falle, sich fürs Training zu motivieren. So etwa, wenn es wie verrückt schneie oder er am Sonntagmorgen vor einer 5-stündigen Velofahrt zum Fenster rausblicke und es in Strömen regne. „Nach einer Viertelstunde ist man jedoch so oder so durchnässt, dann spielt es keine Rolle mehr. Zudem helfen mir solche Momente während des Rennens“, erklärt Wyss.
Etwa dann, wenn das berühmt-berüchtigte „Hammermänndli“ anklopfe. In Triathlonkreisen die Umschreibung für Schmerzen „wie Messerstiche“, die in den Muskeln auftreten. „Dann erinnere ich mich daran, dass ich im Training bereits härtere Situationen durchlebt habe“, beschreibt Wyss seine Strategie. Eine Strategie, die ihm in Barcelona zum Erfolg verhalf. Obschon er auf der Laufstrecke bei Kilometer 16 in eine Krise geriet, realisierte er die drittschnellste Laufzeit in seiner Alterskategorie sowie eine neue persönliche Bestzeit von 4 Stunden und 55 Minuten. Und ergatterte damit einen der vier WM-Startplätze, die in seiner Alterskategorie vergeben wurden.
Crowdfunding für Material und Reisekosten
Zur Finanzierung seines Traums hat er auf „I believe in you“ nun ein Crowdfunding lanciert. „Im Unterschied zu einer Mannschaftssportart sind die Kosten nicht mittels eines Jahresbeitrags gedeckt“, gibt Wyss in Hinblick auf die drei Disziplinen zu bedenken. Um optimal auf die WM vorbereitet zu sein, befindet er sich aktuell im Trainingslager. Im Herbst folgt eine weitere 4-wöchige Vorbereitung.
Dennoch stehe bei seiner ersten Weltmeisterschaft über die halbe Triathlon-Distanz das Erlebnis im Vordergrund. „Ich möchte Erfahrungen sammeln.“ Erfahrungen, die Wyss nächstes Jahr nutzen möchte, wenn er sein nächstes grosses Ziel anvisiert. Die Teilnahme am Ironman Hawaii.
[i] Zum Crowdfunding auf „I believe in you“…
Erstellt:
10.07.2017
Geändert: 10.07.2017
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