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Neuer Coiffeursalon im Pflegeheim: "Viele schütten uns ihr Herz aus"

Im Wohn- und Pflegeheim Schloss Utzigen wurde der Coiffeursalon komplett renoviert. Die Beteiligten erzählen, warum Schönheit auch im Alter wichtig ist, und warum im Salon auch manchmal geweint wird.

Mit dem neuen Salon sind alle beteiligten glücklich. H.v.l.: Anita Jaggi, Béatrice Baumann, Lucia Sterlacci, Thomas Stettler. Vorne: Ulrich Pagel und Trudi Stettler. (Bilder: Anina Bundi)
Die Coiffeusen Lucia Sterlacci (stehend) und Béatrice Baumann. Im neuen Salon haben sie mehr Platz als früher.
Geschäftsleiter Thomas Stettler: "Schönheitspflege hat auch mit Würde zu tun."
Als Leiterin Hotellerie auch für den Coiffeursalon zuständig: Anita Jaggi.
Bauleiter Ulrich Pagel: "Coiffeursalons sind nicht meine Kernkompetenz."
Bewohnerin Trudi Stettler: "Man muss auch im Alter auf sich schauen."

Bewohnerin Trudi Stettler gefällt der umgebaute Coiffeursalon sehr gut. "Er ist weiter. Früher war alles chli überstellt. Jetzt hat es einen Schrank, in dem alles versorgt ist. Das ist schon besser." Die bald 92-jährige Witwe, die locker auch 10 Jahre jünger sein könnte, lässt sich ungefähr alle zweieinhalb Monate im hauseigenen Salon frisieren. "Man muss auf sich schauen. Auch im Alter", findet sie.

 

"Das Filetstück zum Abschluss"

"Haar- und Körperpflege haben auch mit Würde zu tun", sagt Thomas Stettler, Geschäftsführer des Wohn- und Pflegeheims Utzigen. Im Heim wurde in den letzten vier Jahren viel gebaut: Ein Neubau, eine gründliche Sanierung, drei Häuser wurden renoviert. Insgesamt wurden 20 Millionen Franken verbaut (BERN-OST berichtete). Der neue Salon kostete 50'000 Franken. "Der Salon ist das Filetstück zum Abschluss."

 

Ulrich Pagel, stellvertretender Geschäftsführer und zuständig für die Heimliegenschaften, leitete den Umbau. "Coiffeursalons gehören nicht zu meiner Kernkompetenz", sagt er. Deshalb liess er sich von einem Coiffeurplaner aus Zürich beraten. "Entscheidend ist die Möblierung. Offenbar gibt es genau einen Standardstuhl, der speziell geeignet ist." Dieser ist mobil, was das Umsteigen vom Rollstuhl erleichtert.

 

Rund 200 alte Menschen wohnen zurzeit im Schloss Utzigen, wie das Pflegeheim seit 2013 heisst. "Dass man eine Coiffeuse hat, die regelmässig vorbeikommt, gehört mittlerweile zum Standard", sagt Anita Jaggi, Leiterin Hotellerie im Heim. "Bei unserer Grösse ist es uns möglich, selber einen Salon zu betreiben."

 

"Manche muss man erst beruhigen"

Zwei Coiffeusen stehen für die Bewohner*innen bereit. Béatrice Baumann seit 20 Jahren, ihre Kollegin Lucia Sterlacci seit 10 Jahren. Der neue Salon gefällt ihnen sehr gut. Insbesondere, dass sie mehr Platz haben. Für beide ist die Arbeit im Altersheim eine Herzensangelegenheit. "Es gibt Kund*innen, die kenne ich seit 10 Jahren. Da ergeben sich teilweise fast Freundschaften. Viele schütten bei uns das Herz aus", erzählt Baumann. Frisiert werden auch demente Bewohner*innen. Für diese müsse man etwas mehr Zeit einplanen. "Manche muss man erst beruhigen, bis sie bereit sind", sagt Sterlacci.

 

"Es ist jedesmal ein Schock, wenn jemand stirbt"

Als besonders schön haben beide die Zeit nach dem Lockdown letzten Frühling in Erinnerung. "Da freuten sich die Leute ganz speziell, dass sie wieder zu uns kommen durften", sagt Baumann.  In die Freude habe sich aber auch Trauer gemischt. Besuche von Angehörigen waren damals weiterhin verboten. "Eine Kundin musste weinen und sagte: 'Zu Ihnen darf ich kommen, aber meine Tochter darf ich nicht sehen.'" Zur Arbeit in einem Altersheim gehört immer auch Trauriges. Leute sterben. "Es ist jedesmal ein Schock, wenn jemand stirbt", sagt Sterlacci. "Man sagt oft, da müsse man sich abgrenzen. Aber ich habe damit Mühe."

 

Durch die Corona-Pandemie kam das Schloss Utzigen relativ glimpflich. Vier Infizierte gab es laut Thomas Stettler unter den Bewohner*innen, eine Person starb. Angesteckt hatten sich alle vier auswärts, konkret bei einem Aufenthalt im Spital. Mittlerweile haben alle Bewohner*innen die erste Impfdosis erhalten, bis Ende Woche sollten alle doppelt geimpft sein. "Auch beim Personal gab es nicht viele Fälle. Wir hatten ein Riesenglück."


Autor*in
Anina Bundi, anina.bundi@bern-ost.ch
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Erstellt: 28.03.2021
Geändert: 28.03.2021
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