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Oberdiessbach - Die Kolonialwaren im Lädeli waren der Beginn der Globalisierung

Quelle
Wochen-Zeitung

Mit dem «Buumehus» besitzt Oberdiessbach ein einzigartiges Museum. Eine Ausstellung über Kolonialwaren verknüpft die Vergangenheit mit der Gegenwart.

Was lange währt, wird endlich gut: 1993 vererbte die verstorbene Mathilde Baumann der Gemeinde Oberdiessbach die aus dem Jahr 1846 stammende Liegenschaft samt Kramladen unter der Bedingung, daraus ein Heimatmuseum zu machen. Lange war sich die Gemeinde nicht im Klaren, wie sie mit dem Geschenk umgehen sollte. Der Kulturverein Oberdiessbach brachte schliesslich das Projekt zum Laufen.

Heute präsentiert sich das Haus mitten im Dorf schmuck herausgeputzt mit schöner Gartenanlage und Scheune. Die Liegenschaft ist, wie Architekt Alfred Linder an der Vernissage vom vergangenen Samstag betonte, nicht renoviert, sondern restauriert worden. Alles ist zwar auf Vordermann gebracht, aber grundsätzlich beim Alten gelassen worden. Seit etwa 1905 ist hier nichts erneuert worden. Nur Licht und Wasser hielten Einzug. Bis 1993 wurde mit dem offenen Rauchabzug gekocht, und auch das Plumpsklo ist noch vorhanden. Einzig aus dem Rundbogen-Keller ist ein schöner Versammlungsraum entstanden. Mit mehr als hundert Personen war er an der Vernissage bis auf den letzten Platz besetzt.

Dorfladen macht Geschichte lebendig


Das Haus zeigt aber nicht nur, wie einst gelebt wurde. Die letzte Inhaberin des Ladens und ihre Vorfahren haben nichts weggeworfen. Keine persönlichen Gegenstände, aber auch keine Ladenhüter. In mühsamer Kleinarbeit archivierten die Mitglieder des Kulturvereins unter Leitung von Museumsexperten Tausende von Gegenständen. Diese lagern jetzt im Gemeindearchiv und sind der Fundus für die jetzige und zukünftige Ausstellung. Anders als andere Museen ist das «Buumehus» nicht ein Hort für zusammengetragene Fundstücke, sondern die Exponate erzählen einerseits die Geschichte der Familie Baumann, andererseits zeigen sie, wie die Bevölkerung mit Lebensmitteln und Verbrauchsgütern versorgt wurde.

Ursprung der Globalisierung


François de Capitani, Kurator am Schweizerischen Landesmuseum, beleuchtete in seinem Referat die Geschichte der Dorfläden. Textilien und Waffen nach Afrika, Sklaven von Afrika nach Amerika, Zucker, Gewürz, Tabak und Baumwolle von Amerika nach Europa: So funktionierte der Dreieckshandel zwischen Europa und seinen Kolonien währen fast vier Jahrhunderten.

Vom Zuckerstock bis zum Stoffballen zeigen die im «Buumehus» gefundenen Gegenstände die Anfänge der Globalisierung. Von der alten Suppendose bis zur Waschmittelpackung enthält der wie eine Puppenstube anmutende Kramladen eine unendliche Fülle von Trouvaillen. Bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts dauerte die Blütezeit des Dorfladens in der Schweiz. Dann übernahmen Supermärkte und Warenhäuser ihre Funktion.

www.buumehus.ch.


Autor
Jürg Ingold / Wochen-Zeitung
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Erstellt: 03.05.2012
Geändert: 03.05.2012
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