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Oberdiessbach - Gemeinde will mitbestimmen können

Quelle
Thuner Tagblatt

Das Projekt für einen Fernwärmeverbund befindet sich zwar auf der Zielgeraden, ist aber jüngst ins Stocken geraten. Gemeinde und Initianten haben noch einige Differenzen zu bereinigen.

Ursprünglich war geplant, dass bereits 2011 die Bagger auffahren und auf dem Gelände der alten Grube mit dem Bau des Heizwerks für einen Fernwärmeverbund in Oberdiessbach losgelegt werden kann. Im Dezember 2010 hat die Gemeindeversammlung entschieden, dass sich die Gemeinde auch an der AG, welche den Fernwärmeverbund aufbauen und betreiben will, beteiligen soll (wir haben berichtet). «Ich bin mir bewusst, dass wir nicht mehr im ursprünglichen Zeitplan sind», sagt Markus Hirschi, welcher die Heizwerk Oberdiessbach AG Hewo mitinitiiert und -gegründet hat. Die Gründe dafür seien vielschichtig. «Die Latte der Behörden ist für solche Projekte, die aus privater Hand stammen, enorm hoch angesetzt. Die Baubewilligung liegt aber in der Zwischenzeit vor», sagt der Unternehmer. Hirschi fügt aber noch weitere Gründe an. «Aufgrund eines krankheitsbedingten Ausfalls war ich in den letzten Monaten sehr stark in der eigenen Firma engagiert», sagt er. Und: «Auch ziehen sich die Verhandlungen mit der Gemeinde unnötig in die Länge. So haben wir uns das nicht vorgestellt.» Anders als vereinbart wolle die Gemeinde schon jetzt als Aktionär bei der Hewo einsteigen, und nicht erst mit der Kapitalerhöhung beim Baustart. «Grundsätzlich ist dies kein Problem. Die nötigen Schritte wurden bereits eingeleitet», versichert Hirschi. Gemeindepräsident Hans Rudolf Vogt (FDP) sagt: «Wir haben uns in den letzten Monaten mehrmals mit Vertretern der Hewo, aber auch mit möglichen Grossabnehmern von Energie getroffen.» Denn: Damit die Hewo starten kann, müssen einige grosse Abnehmer zugesichert haben, dass sie Wärme bei der Firma beziehen. «Wir haben bereits viele Zusagen», sagt Markus Hirschi.

Gemeinde will mitreden

«Grundsätzlich sind wir daran interessiert, die Gemeindeliegenschaften an den Wärmeverbund anzuschliessen», sagt Hans Rudolf Vogt – und fügt sogleich ein Aber an: «Wir würden gerne die Vorverträge noch im einen oder anderen Punkt anpassen, bevor wir sie unterzeichnen.» Ein externes Gutachten habe gezeigt, dass gewisse Vertragsanpassungen «durchaus sinnvoll» seien. Der Fernwärmeverbund sollte einen Gewinn für die Natur, für die Abnehmer und für die Hewo darstellen. «Solange dies nicht gewährleistet ist, bleibt offen, ob der Gemeinderat grünes Licht gibt für den Anschluss der gemeindeeigenen Gebäude und den definitiven Beitritt zur Hewo», sagt Vogt.

Hinzu kommt, dass die Gemeinde laut Hans Rudolf Vogt bisher zu wenig mitbestimmen konnte. «Es wäre gut gewesen, wenn die Gemeinde von Beginn weg in der Hewo hätte mitarbeiten können. So hätten wir uns besser einbringen können, wenn es um strategische Entscheide ging», ist er überzeugt. Dieser Entscheid betreffe freilich nicht die Hewo im Speziellen. «Der Gemeinderat hat im Frühling 2010 in einer Klausur den Grundsatzentscheid gefällt, in Sachen Energie und Versorgung in der Gemeinde die Zügel fester in die Hand nehmen zu wollen.»

Autor*in
Marco Zysset / Thuner Tagblatt
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Erstellt: 16.01.2012
Geändert: 16.01.2012
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