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Oberdiessbach - Gemeinsam ist weniger mehr

Quelle
Wochen-Zeitung

In der Messe Luzern wurden am Freitag die 24. Schweizer Solarpreise verliehen. Unter den Preisträgern: Der Steffisburger Architekt Jürg Alpstäg mit seinem Plusenergiebau an de Schulhausstrasse in Oberdiessbach.

Das Mehrfamilienhaus an der Schulhausstrasse 11 - 15 wandelte sich durch die Sanierung vom Energiefresser zum Plusenergiebau. Heute produziert die Photovoltaik-Anlage 48 Prozent mehr Energie, als die Mieterschaft in den 18 Wohnungen verbraucht. (Bild: zvg

Wenig Energie verbrauchen, viel Energie produzieren – dies ist der Grundsatz von Plusenergiebauten. Ein nach diesem Prinzip saniertes Mehrfamilienhaus in Oberdiessbach ist am Freitag an der 24. Schweizer Solarpreisverleihung mit dem 2. Solarpreis in der Kategorie der Plusenergiebauten ausgezeichnet worden. Damit ist die Region Thun um einen Vorzeigebau reicher, der darlegt, wie die Energiewende in die Realität umgesetzt werden kann.

Die drei 50-jährigen Mietshäuser waren vor der Sanierung in einem baulich desolaten Zustand. Wegen schlechter Isolation betrug der Heizölverbrauch jährlich 23'000 Liter, zudem breitete sich an manchen Wänden und Decken Schimmel aus. Trotzdem sah Jürg Alpstäg, Architekt aus Steffisburg, der das Sanierungsprojekt realisierte, von einem Rück- und anschliessenden Neubau ab. Einerseits sollten die Mietpreise moderat gehalten werden, anderseits ermöglichte eine Sanierung in drei Etappen, dass ein grosser Teil der Mieter im Haus bleiben konnte. Sie mussten nur temporär in eine andere Wohnung umziehen.

Moderne Ausstattung,moderate Preise

Die Mietpreise der zwölf 3½- und sechs 4½-Zimmer-Wohnungen sind zwar von durchschnittlich 700 respektive 800 Franken auf fast das Doppelte gestiegen, «gegenüber Neubauten sind die Preise aber noch immer günstiger», sagt Alpstäg, «denn Ausstattung und Komfort entsprechen dem eines Neubaus». Die Mieterschaft profitiert durch eine optimierte Raumaufteilung zudem von einer grösseren Nettowohnfläche.

Eine energetisch verbesserte Gebäudehülle im Minergie-P-Standard sowie der Einsatz von energiesparenden Haushaltsgeräten und LED-Lampen hat den jährlichen Energieverbrauch des Mehrfamilienhauses von knapp 284'000 auf rund 77'000 Kilowattstunden gesenkt. Dies entspricht rund einem Viertel des früheren Energieverbrauchs. Der CO2-Ausstoss von rund 101 Tonnen jährlich konnte durch die Photovoltaikanlage auf null gesenkt werden. Die Mieter haben sich zudem im Mietvertrag dazu bereit erklärt, im Alltag möglichst sparsam mit Strom umzugehen. Überdies bezahlen sie einen verbrauchsabhängigen Ökobeitrag. Wer Energie spart, spart gleichzeitig Mietkosten.

37'000 KilowattstundenÜberschuss

Als neue Energiequelle wird voll auf die Sonne gesetzt. Neben den integrierten Solarpanels auf dem Hauptdach wurden auch zwei Autounterstände und die Balkontürme sowie die Südfassade mit monokristallinen Solarzellen bestückt. Die insgesamt 717 Quadratmeter grosse Photovoltaikanlage liefert im Jahr rund 114'000 Kilowattstunden, was einem Überschuss von 48 Prozent entspricht. Mit den überschüssigen 37 000 Kilowattstunden könnten 25 Elektroautos jährlich je 15 000 Kilometer emissionsfrei fahren.

Der Plusenergiebau wird durch die effiziente Gebäudesanierung und durch die Bereitschaft der Mieter, Strom zu sparen, erreicht. Nur so könne ein solch grosser Energieüberschuss zustande kommen. «Das Gesamtpaket ist entscheidend», sagt Jürg Alpstäg. Der prämierte Architekt bezeichnet den Erhalt des Solarpreises «als Auszeichnung für mich und mein Architekturbüro für die geleisteten Arbeiten im Bereich der energetischen Gebäudesanierungen». Wenn nur ein Teil der alten Gebäude in der Schweiz so saniert würde, «könnten wir die bestehenden Kernkraftwerke rasch abschalten und den Klimawandel positiv beeinflussen».


Autor
Manuel Berger, Thuner Tagblatt
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Erstellt: 06.10.2014
Geändert: 06.10.2014
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