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Oberdiessbach - Ist das die Initialzündung für das Heizkraftwerk?

Quelle
Berner Zeitung BZ

Die Oberdiessbacher Gemeindeversammlung hat entschieden, dass die Primarschule an den Fernwärmeverbund Hewo angeschlossen werden soll. Gemeinde und Hewo-Gründer hoffen, dass das Projekt jetzt endgültig flügge wird.

Einige der 77 Stimmberechtigten, die am Montagabend an der Gemeindeversammlung in der Aula Oberdiessbach zugegen waren, diskutierten heftig, als es darum ging, die Primarschulanlage an den Wärmeverbund der Heizwerk Oberdiessbach AG (Hewo) anzuschliessen. Der Gemeinderat beantragte 388 000 Franken. Gemeinderat und Bauvorsteher Niklaus Hadorn (SVP) sagte, dass die Kosten gegenüber heute um 18 Prozent zunehmen würden. «Aber wir wissen nicht, wie sich der Ölpreis entwickelt», sagte er – und blickte zurück ins Jahr 1990, als die Holzschnitzelanlage gebaut wurde, mit der heute die Sekundarschule und das Wehrgebäude beheizt werden. «Diese war anfänglich auch teurer als Öl und ist heute viel günstiger», sagte Hadorn. Hewo-Mitinitiant Markus Hirschi rechnete vor, dass das Fass Öl damals knapp 24 Franken gekostet habe. Heute sind es 100 Franken.


Viele kritische Fragen

Versammlungsteilnehmer Anton von Gunten monierte, er hätte gerne Prognosen zur Preisentwicklung in den Versammlungsunterlagen gehabt. «Nur an die ethische Vernunft zu appellieren, wenn etwas 20 Prozent höhere Kosten verursacht, ist mir zu wenig», sagte er – worauf Finanzverwalter Thomas Reusser vorrechnete, dass bei einer Preissteigerung von 10 Prozent der Preisunterschied zwischen Öl und Fernwärme aus Holz praktisch aufgehoben werde. Theo Nyffeler befürchtete dennoch, dass der Preis für Wärme von der Hewo mit dem Ölpreis steigen wird, weil er gemäss den Hewo-Unterlagen an den schweizerischen Konsumentenindex beziehungsweise an den Preisindex für Holzschnitzel gebunden ist. «Namentlich der Konsumentenindex steigt in der Regel, wenn der Ölpreis steigt», sagte Nyffeler.

Eugen Balstisberger beklagte, gemäss den Unterlagen für die Gemeindeversammlung seien die Anschlusskosten mehr als 26 Prozent höher als noch im ersten Hewo-Tarifentwurf vom Herbst 2010. Finanzverwalter Thomas Reusser und Markus Hirschi entgegneten, die aufgeführten Kosten in den Versammlungsunterlagen würden neben den Gebühren auch die Kosten für technische Installationen umfassen.

Manfred Neuenschwander wollte wissen, ob es noch Interessenten für Fernwärme gebe. «Wir haben drei grosse Firmen, die ernsthaft daran interessiert sind», sagte Markus Hirschi – und appellierte an die Versammlung, dem Antrag des Gemeinderates, das Primarschulhaus anzuschliessen, zuzustimmen. Am Ende folgte die Versammlung dem Antrag des Gemeinderates mit 66 zu 3 Stimmen bei 8 Enthaltungen. Damit schliesst die Gemeinde einen Teil ihrer Liegenschaften an die Hewo an und kriegt Einsitz im Verwaltungsrat. Sobald genügend weitere Abnehmer von Wärme gefunden sind, soll das Heizwerk in der alten Grube gebaut werden.

Rechnung im Plus

Die Rechnung 2011 schliesst bei Gesamteinnahmen von 19,145 Millionen Franken statt mit einem Minus von 285 000 Franken mit einem Einnahmenplus von 152 000 Franken ab. Gründe sind gemäss Gemeinderat und Finanzvorsteher Markus Forrer (FDP) höhere Steuereinnahmen sowie geringere Nettoinvestitionen.

Die Versammlung genehmigte die Rechnung ebenso einstimmig, wie sie Ja sagte zur Auflösung des Gemeindeverbandes für das Pflege- und Betreuungszentrum Oberdiessbach und zur Umwandlung in die Stiftung Kastanienpark. Ebenfalls ein einstimmiges Ja gab es zu einem Containerbau für neue Gruppenräume auf dem Sekundarschulareal sowie zur Totalrevision des Stromversorgungsreglements, dem neuen Kostenteiler für das Friedhofswesen.

Autor
Marco Zysset / Berner Zeitung BZ
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Erstellt: 06.06.2012
Geändert: 06.06.2012
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