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Oberdiessbach - Topf-Tännchen statt Christbäume zum Wegwerfen

Quelle
Berner Zeitung BZ

Über eine Million Weihnachtsbäume werden hierzulande jeden Winter nach wenigen Wochen entsorgt. Eine Gartenbaufirma in Oberdiessbach bietet eine Alternative an.

Simon Graf, Inhaber von Grafgrün Gartenbau aus Oberdiessbach, verkauft und vermietet Weihnachtsbäume im Topf. (Bild: Hans Peter Roth)

«Auch Weihnachtsbäume können erfrieren!» Sorgfältig hat Simon Graf ein Tännchen auf die Ladefläche seines Pick-ups gehievt und deckt es mit einem Netz zu. «Etwa, wenn es kalt ist und dann noch der Fahrtwind dazukommt.» Während des Besuchs des Journalisten wäre dies sicher kein Problem. Auf Regen folgt die Sonne, es ist gegen 10Grad warm. Inzwischen ist es wieder kälter geworden. Die Besonderheit der Weihnachtstanne auf der Pritsche: Sie ist in einem Topf gewachsen.

 

«Die Idee hatte ich vor zwei Jahren», erklärt der Gründer und Inhaber von Grafgrün Gartenbau, während er den Kleinlaster mit der Serbentanne vom Firmensitz in Oberdiessbach nach Heimberg steuert. «Warum nicht am Anlass für unsere Kunden als originelle Besonderheit Weihnachtsbäume anbieten, die nach den Festtagen weiterleben?», fragte sich Graf. So bot er im Dezember 2017 erstmals eine Auswahl an kleineren und grösseren Tannenbäumen im Topf an.

 

Die Nachfrage wächst

20 bis 30 Bäume habe er damals abgesetzt, erinnert sich der Gartenbauer, der auch einen Bauernhof führt. 2018 waren es schon an die 50 Tännchen verschiedener Sorten. Für den diesjährigen Kundenevent habe er nun 70 Stück in der Pipeline. Zwergfichten, Nordmanntannen, Koreatannen, Waldkiefern, Serbenfichten und Weisstannen stehen bereit – in unterschiedlichen Grössen zu unterschiedlichen Preisen.

 

Entweder können die Kunden ihr Bäumchen kaufen oder aber mieten und nach den Festtagen wieder zurückbringen oder abholen lassen. Der Mietpreis liegt abgesehen von der Lieferung, die 15 Franken pro Fahrt kostet, nicht wesentlich über dem marktüblichen Preis für einen Baum, der zu Neujahr dann in der Abfuhr endet.

 

Der Kaufpreis ist doppelt so hoch. «Dennoch kaufen die Kunden ihr Bäumchen mehrheitlich», stellt Simon Graf fest. «Entweder, weil sie es über einige Jahre im Topf behalten wollen.» Dies ist bei richtiger Pflege möglich – etwa, um es mehrmals als Weihnachtsbaum zu nutzen (vgl. Infobox). «Oder aber sie pflanzen das Bäumchen danach auf eigenem Boden oder nach Absprache in einem Waldstück aus.» Die Topftannen erhält Graf von zwei Pflanzenlieferanten. Zurückgebrachte Mietbäume behält der 41-jährige Geschäftsführer von Grafgrün ebenfalls, sei es zur wiederholten Nutzung als Weihnachtsbaum oder zur Auspflanzung. Auch die Töpfe sind wiederverwendbar.

 

«Weiteres Leben»

In Heimberg angekommen, wartet der Kunde schon draussen. «Ein Prachtsbaum!», sagt Roland Gerber und strahlt, der sich als «Scheff, Schofför, Säckelmeister und Espressotrinker» des gleichnamigen Getränkehandels bezeichnet. «Wir mieten von Grafgrün nun schon zum dritten Mal einen Topfbaum, weil es etwas Persönliches, etwas Exklusives ist. Der Baum hat danach ein weiteres Leben und wird nicht einfach achtlos weggeworfen.» Seine Frau, Natalie Gerber, pflichtet ihm bei: «Früher hat es uns immer geschmerzt, dass der ausgediente Weihnachtsbaum schon nach wenigen Wochen bestenfalls noch auf dem Pferdehof zum Abnagen gut war – wenn überhaupt.»

 

Diese und die Rückmeldungen weiterer Abnehmer von Topftannen bestärken Simon Graf. «Ich fahre weiter und werde ausbauen», sagt der Vater von vier Kindern nach der Auslieferung auf der Rückfahrt nach Oberdiessbach: «Das hat Zukunft. Und ich staune, wie sensibel die Kunden mit den Topfbäumen umzugehen wissen. Schliesslich ist jeder Weihnachtsbaum grundsätzlich ein Lebewesen.»

 

Am Freitag, 13.Dezember, findet bei Grafgrün Gartenbau in Oberdiessbach ein Verkaufstag von Weihnachtsbäumen im Topf statt. Mehr Infos unter www.grafgrün.ch.

 

 

Fakten und Tipps zur Topftanne

Christbäume im Topf erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Sie können eine umweltfreundliche Alternative sein zu den mehr als eine Million Weihnachtsbäumen, die hierzulande jedes Jahr verkauft und nach den Festtagen wieder entsorgt werden.

Mittlerweile verkaufen oder vermieten in der Schweiz diverse regionale Anbieter, meist Gartenbauunternehmen, vor den Festtagen eingetopfte Christbäume, auf Wunsch mit Heimlieferung. Im Haus sollte die Topftanne nicht länger als zwei bis drei Tage in der Zimmerwärme stehen. Ansonsten empfiehlt sich die Aufbewahrung auf dem Balkon oder draussen. Ganz wichtig ist auch die regelmässige Bewässerung. Während das Christbäumchen drinnen ist, empfiehlt es sich, dieses mehrmals täglich mit Wasser zu besprühen, damit die Nadeln nicht abfallen. (hpr)


Autor
Hans Peter Roth, Berner Zeitung BZ
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Erstellt: 06.12.2019
Geändert: 06.12.2019
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