• Region

Pestizidrückstände: In Konolfingen wird das Wasser neu gemischt

Neue Tests bestätigen die Überschreitung des Grenzwertes für einen möglicherweise gesundheitsschädlichen Stoff im Netz des Wasserverbunds Kiesental. Der Verbund will das Wasser nun anders mischen und neue Quellgebiete erschliessen. Der Verwaltungsrat kritisiert aber auch, dass es bei der Bestimmung der relevanten Grenzwerte Unklarheit herrsche.

Zwei der WAKI-Wasserfassungen sind kontaminiert. (Bild: zvg)

Anfang Februar informierte der Wasserverbund Kiesental (WAKI) darüber, dass in den Pumpwerken Stalden und Gmeis der Grenzwert des Chlorothalonil-Abbauproduktes R471811 überschritten wurde. Chlorothalonil war während Jahrzehnten ein gängiges Spritzmittel gegen Pilzbefall im Ackerbau. Aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse ist es gesundheitsschädlich und wahrscheinlich krebserregend. Seit Anfang Jahr ist es in der Schweiz verboten.

 

Grenzwerte um das Doppelte überschritten

Nun hat der Verbund die betroffenen Wasserfassungen, und das zugehörige Leitungsnetz in Konolfingen erneut überprüfen lassen. Dabei zeigte sich, dass der Grenzwert von 0.1 μg/l (Mikrogramm) für das möglicherweise gesundheitsschädigende R471811 nur in der oberen Zone des Leitungsnetzes (Gysenstein, Herolfingen und Trimstein) eingehalten wird. In den beiden Fassungen und in der unteren Zone (Konolfingen mit dem Talgrund, Freimettigen, Häutligen, Niederhünigen (untere Zone) und Tägertschi) betragen die Werte zwischen 0.21 und 0.23 μg/l, womit der Grenzwert um das Doppelte überschritten wird.

 

Wasser aus Bowil und Zäziwil

Um dem Problem kurzfristig entgegenzuwirken, wird nun das Wasser für die untere Zone des Netzes neu gemischt. In Zukunft fliesst darin mehr Wasser aus der Versorgungszelle Bowil-Zäziwil-Grosshöchstetten und dafür weniger aus den belasteten Fassungen Stalden und Gmeis. Laut Waki-Verwaltungsratspräsident Christoph Zürcher braucht es dafür einige Anpassungen am System, die voraussichtlich in den nächsten Wochen vorgenommen werden können. Eine Gefahr bestehe während dieser Zeit nicht. „Um gesundheitsschädlich zu sein, müsste von dem Wasser so viel getrunken werden, dass man vorher am vielen Wasser selber sterben würde“, sagt Zürcher. Ausserdem sei es ja dasselbe Wasser, das man seit Jahrzehnten trinke.

 

Neue Quellen

Mittelfristig soll ein neues Quellgebiet erschlossen werden. Diese Fassung befinde sich allerdings zurzeit noch im Besitz einer Drittpartei und müsse saniert werden, so Zürcher. Sowieso wird das Wasser zuerst ein Jahr lang regelmässig auf seine bakteriologische und chemische Zusammensetzung geprüft, bevor die Fassung ans Netz geht. „Wir sprechen von frühestens 2021.“

 

In der Mitteilung des Verbundes wird erneut betont, dass der Stoff erst seit Anfang Jahr als bedenklich gelte und es zudem widersprüchliche Informationen über den Grenzwert gebe. So sei in einer Studie des Bundesamtes für Lebenssicherheit und Veterinärwesen (BLV) von einem hundertfach grösseren Grenzwert (10 μg/l) die Rede. Es bestehe Klärungsbedarf seitens des Bundes und des Kantons.

 

Beim zweiten, schon länger als relevant eingestuften Abbauprodukt R417888 wurden die Grenzwerte überall eingehalten. Das gilt auch für alle hier nicht erwähnten Versorgungsgebiete des WAKI und alle anderen untersuchten Pestizidrückstände.


Autor
pd/abu, info@bern-ost.ch
Nachricht an die Redaktion
Statistik

Erstellt: 23.03.2020
Geändert: 23.03.2020
Klicks heute:
Klicks total: