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Tierischer Filmstar: Geddy aus Schlosswil ist Polizeihund in Wilder

Michael Neuenschwander aus Worb ist nicht der einzige Schauspieler der Region Bern-Ost, der in der SRF-Krimiserie Wilder mitspielt. Der zweite Star heisst Gerdi vom Barbatus, genannt "Geddy", und kommt aus Schlosswil. Die 12-jährige Schäferhündin ist seit Ende der zweiten Staffel Teil der Serie. Erst spielte sie einen Spürhund der Polizei, und momentan stellt sie einen privaten Hund eines Polizisten dar. Ihr Frauchen, die 33-jährige professionelle Hundetrainerin Jelia Jeremias, beschreibt für BERN-OST die Filmkarriere von Geddy.

Hundetrainerin Jelia Jeremias aus Schlosswil mit Filmhund Geddy. (Bilder: zvg)
In der zweiten Staffel von Wilder hatte Geddy (unten rechts) einen Kurzauftritt als Spürhund.
In der dritten Staffel steht sie als Privathund eines Polizisten vor den Kameras.
Szenen müssen oft mehrmals wiederholt werden.
Bei Tatort spielte Geddy den Hund des Mörders.
Eine professionelle Filmhündin nimmt auch schon mal ein Pferd an die Leine.

Vor einigen Jahren hatten wir unser Filmhunde-Debut als Sprengstoffsuchhund in der Serie Helvetica. Da ging es darum, dass Geddy eine Bombe suchen sollte, welche der Täter im Bundeshaus versteckt hatte. Wir drehten diese Szene in einem alten Hotel mitten in Bern. Ich war mit von der Partie und spielte eine Polizistin. Dazu durfte ich die neue Uniform der Berner Kantonspolizei anziehen, welche erst Monate später offiziell eingeführt wurde. Da die Dreharbeiten jeweils mehrere Monate in Anspruch nehmen und dann das zusammenschneiden der Szenen ebenfalls noch dauert, wird der Film, beziehungsweise die Serie, erst ungefähr ein Jahr nach dem Drehbeginn ausgestrahlt.

Bei Tatort (der Elefant im Raum) spielte Geddy Nero, den Hund des Mörders. Dazu war ich mehrere Tage in Luzern, wo sie mit dem Schauspieler Ball spielen durfte, sich im Wald versteckte und die Polizei anbellte. Gegen Ende wurde sie dann von ihrem Besitzer vergiftet. Dazu musste ich ihr beibringen zu "sterben", also komplett regungslos auf der Seite zu liegen.

 

Beissen oder bellen

Im letzten Winter drehten wir in La Chaux-de-Fonds die dritte Staffel der Serie Wilder, welche momentan jeweils auf SRF am Dienstagabend läuft. Auch weitere Hunde von uns sind in dieser Staffel mit dabei. Der Militärhund Cyno, welchen ich ausgebildet habe, kommt zum Beispiel beim Kinofilm Moskau einfach vor. Oder Bailey, eine ebenfalls von mir ausgebildetete Militärhündin (welche bei der Militärpolizei als Schutz und Betäubungsmittel Diensthund im Einsatz steht) machte mit meiner Tochter bei 100 Jahre Dynastie Knie mit, der ebenfallsauf SRF ausgestrahlt wurde.

Bei den Drehs gibt es jeweils lange Wartezeiten zwischen den Einsätzen vor der Kamera. Ausserdem ist meistens im Vornherein nicht klar, was genau vom Hund verlangt wird. Einmal wurde gewünscht, dass Geddy einen Ermittler in den Arm beissen sollte. Das konnten wir mit einer Unterziehmanschette aus Leder relativ schmerzlos machen. Die Ideen und Vorstellungen ändern aber häufig relativ kurzfristig. So wollten sie dann doch nur noch, dass der Hund bellt und nicht beisst.

 

Nicht ablenken lassen

Einmal lehrte ich Geddy innert weniger Minuten direkt am Set, auf Kommando den Kopf auf den Boden zu legen, weil der Regisseur eine Nahaufnahme davon machen wollte. Das Interessante aber auch Schwierige beim Filmdreh sind die Ablenkung und die häufig engen Platzverhältnisse. Der Hund muss die Kommandos zuverlässig auf Distanz ausführen, und zwar motiviert und exakt zehnmal nacheinander. Die Wiederholungen sind nötig, da es häufig vorkommt, dass der Regisseur die Kulissen verändert, die Filmeinstellungen anders besser sind oder sich ein Schauspieler verspricht.  Geddy spielt lustigerweise meistens einen Rüden, vermutlich wegen ihrer Grösse und dem breiten Brustkasten.


Einiges Schwieriger als Filmdrehs sind Theaterproduktionen. Da hat man nur eine Chance und wiederholen ist nicht möglich. Dazu kommt natürlich noch die riesige Ablenkung durch die vielen Zuschauer*innen. Ich mag mich noch an eine Produktion in Zürich erinnern. Da musste Geddy die Zuschauer*innen beim Eintreten anbellen und sobald diese ihre Plätze eingenommen hatten, über lange Bretter und Latten balancieren, während die Schauspieler*innen auf diesen Brettern rumgesprungen sind und sich verrenkt haben.

 

Gute Erziehung und soziale Fähigkeiten

Für alle Aufträge ist es wichtig, dass der Hund absolut sozial zu Menschen ist, und auch freundlich mit anderen Tieren oder Hunden umgeht. Aktuell drehen wir die vierte Wilder-Staffel in Graubünden. Dort gab es gerade eine Szene beim Geissenstall. Dabei darf sich der Hund nicht ablenken oder verunsichern lassen, auch wenn es komisch riecht oder eine Ziege meckert.

 

Abgesehen von den sozialen Fähigkeiten, sollte ein Filmhund gut erzogen und selbstsicher sein. Er darf sich nicht von Lärm, Licht, komischen Untergründen und Menschenmengen ablenken lassen. Die Ausbildungen zum Dienst- und Sporthund machen die Arbeit vor der Kamera um einiges einfacher, da der Hund schon sehr viele Kommandos beherrscht, wie zum
Beispiel Positionen auf Distanz, Warten, an einen bestimmten Ort hinlaufen oder Bellen. Bei jedem Dreh lehrt man seinen Partner Hund wieder etwas besser und näher kennen. Kommende Woche bin ich mit 7 Hunden vor der Kamera, ich bin gespannt wie der Dreh abläuft und freue mich natürlich jedes Mal das Endergebniss anzuschauen.


Autor*in
Jelia Jeremias als Gastredaktorin
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Erstellt: 23.01.2021
Geändert: 23.01.2021
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