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Herzensprojekt: Worber Familie produziert Bio-Socken

Kinderarbeit in der Baumwollproduktion – Diese Problematik beschäftigt Dominique Wild aus Worb seit Langem. Nun lanciert er mit Wildsocks ein Label für fair und biologisch produzierte Socken. Den Anstoss dazu gab seine älteste Tochter.

Dominique Wild vor dem Medien-Center in Worb: Der Name seines Labels Wildsocks bezieht sich auf seinen Nachnamen und die Natur, die in seinen Bio-Socken steckt. (Bild: Isabelle Berger)
Designprozess am Küchentisch: Andreas Karisch (links) und Dominique Wild. (Bild: zvg)

An Öko-Socken denkt man nicht, wenn man Dominque Wild sieht, wohl aber, dass ihm Kleidung und Stil wichtig sind. Ursprünglich aus der Hotelbranche kommend, hat er heute eine Beratungs- und Kadervermittlungsfirma. Und seit Kurzem mit Wildsocks daneben ein Herzensprojekt, wie er es nennt.

 

„Mode war für mich immer ein Thema“, sagt Wild. Die Frage, woher Baumwolle komme, treibe ihn seit rund zehn Jahren um. „Oft wird in der Baumwollproduktion Kinderarbeit eingesetzt. Diese zu verbieten bedeutet aber für die betroffenen Familien Wertschöpfungsprobleme“, sagt er.

 

Wilds Tochter: "Papa, wie macht man einen Businessplan?"

Als seine heute 17-jährige Tochter ihn im Frühling fragte, wie man einen Businessplan mache, brachte das den Stein ins Rollen. „Ich dachte: Jetzt machen wir eine Firma und zwar mit einem gescheiten, ehrlichen und nachhaltigen Produkt“, sagt er.

 

Die Wahl fiel auf die Socke. „Socken sind ein wichtiges Accessoire beim Arbeiten. Sie sind ein Bekenntnis zu Design“, sagt er und beschreibt, wie Männern in geschäftlichen Treffen die Hosenbeine beim Sitzen hochrutschen und behaarte Beine offenbaren – lieber eine schöne Socke, die zum Pochettli passt.

 

„Die meisten Socken sind entweder langweilig oder zu auffällig oder nicht Bio“, sagt Wild. Zudem liessen sich Socken gut produzieren. „Wir werden mit Wildsocks nicht die Welt retten, aber wir machen etwas und sprechen nicht nur davon“, sagt er.

 

Ganze Familie hilft mit

So machte sich Wild ans Werk. Die Firma mit Sitz in Worb lautet nun auf den Namen seiner Frau Melanie, welche zudem für das Design zuständig ist. Dominiqe Wild kümmert sich um den Auftritt nach aussen und den Verkauf. Für den Webshop, der im September aufgeht, und die Lieferkette ist Andreas Karisch aus Herzogenbuchsee zuständig. Dessen Lebenspartnerin, Viola Vogel, bringt sich beim Design und bei neuen Produkten ein.

 

Und auch die Kinder von Dominique und Melanie Wild spielen eine Rolle. Neben seiner ältesten Tochter hat das Paar zwei weitere Töchter im Alter von zehn und 13 Jahren. „Sie geben mir zum Beispiel in Sachen Social Media Tipps, wie es schneller geht, oder fungieren als Fussmodels“, beschreibt Dominique Wild ihre Funktion. Die älteste Tochter, die derzeit die Wirtschaftsmittelschule macht, schaue ihm nun in der Administration und bei der Buchhaltung über die Schulter.

 

Ägypten, Brescia, Worb

Entstanden sind bis heute zwölf Designs in drei unterschiedlichen Längen, so nachhaltig wie möglich produziert. Die Baumwolle stamme aus ägyptischer Bio-Produktion, den Bauern würden faire Löhne bezahlt und sie verwendeten keine Pestizide, beschreibt Wild den Rohstoff der Socken.

 

In Brescia, Italien, fand er einen Produzenten, der diese Baumwolle mit Bio-Farben einfärbt und zu qualitativ hochstehenden Socken strickt. „Unser Produzent arbeitet mit einer 200-Nadel-Maschine, welche feinmaschiger strickt als sonst üblich. Dadurch ist die Socke stabiler und langlebiger“, so Wild.

 

Plastikfrei verpackt in der Waldau

Die Langlebigkeit gehört für Wild zur Nachhaltigkeit. „Ich verstehe unter dem Begriff die ganze Wertschöpfungskette“, sagt er. So werden Wildsocks-Socken ohne Plastik in der Werkstätte Bern der UPD Waldau verpackt. „Damit beziehen wir auch den zweiten Arbeitsmarkt mit ein“, so Wild.

 

Einfach war das Finden all dieser Lösungen nicht. Für die Suche nach einem passenden Produzenten klapperte Wild zig Betriebe in ganz Oberitalien ab oder kämpfte dafür, dass der Papierstreifen, der die Sockenpaare zusammenhält, wirklich aus reinem Recyclingpapier ist und nicht nur so aussieht.

 

Und manches ist auch noch nicht perfekt. „In den Socken hat es zum Beispiel immer noch Elasthan und Polyamid“, sagt Wild. Zudem würden sie nach wie vor nach Ägypten fliegen müssen, um die dortige Baumwollproduktion zu überprüfen. Aber Wild ist bestrebt, alles so optimal wie möglich zu gestalten. „Da ich nicht davon leben muss, muss ich keine Kompromisse eingehen“, sagt er.

 

Crowd Funding: Post wurde aufmerksam

Demnächst kommen die Socken auf den Markt. Wild und sein Team haben ein Crowd Funding gestartet, welches zur Finanzierung der Produktion beitragen soll. „Bisher haben wir rund 3000 Franken dadurch eingenommen. Das ist nicht viel, aber wir sind froh um jeden Booster“, sagt er. Fehlendes Geld spritzen sie selber ein, womit das Projekt so oder so realisiert wird.

 

Der wichtigere Effekt des Crowd Fundings ist für Wild, dass ihr Projekt dadurch bekannt geworden sei. So ist die Post auf sie zugekommen. „Wir machen nun im Post Parc am Berner Bahnhof seit diesem Montag eine dreiwöchige Promotion, bei der man unsere Socken testen und unser Crowd Funding direkt unterstützen kann“, sagt Wild. Danach werden die Socken über den Webshop und in ausgewählten Läden zu kaufen sein.


Autor*in
Isabelle Berger, isabelle.berger@bern-ost.ch
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Erstellt: 18.08.2019
Geändert: 18.08.2019
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