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ZAK Konolfingen: Ein Leben mit und für Verpackungen

Am vergangenen Seniorenstamm des Vereins Zäme Aktiv Region Konolfingen (ZAK) liess der Gast, Peter Hürlimann die Anwesenden hinter die vielfältigen Verpackungen blicken.

Das Milchkännchen, an dessen Entwicklung Peter Hürlimann stark beteiligt war (Fotos: Willi Blaser)
Peter Hürlimann mit einem Bild einer Schokolade-Verpackungsmaschine wie er ähnliche auch gebaut hat.

Am ZAK-Seniorenstamm können die Gäste ihr Thema selber auswählen und präsentieren. So auch vergangenen Donnerstag, an dem Peter Hürlimann Gast war und über seine höchst spannende und vergangene Erwerbstätigkeit berichtete.

"Ich freue mich, dass Peter das Thema Verpackungen gewählt hat, er hätte auch über sein Hobby Motorrad sprechen können. Er restauriert seine Motorräder selbst und geht auf Touren", leitete Susanne Brechbühl ein.

Vom Mechaniker zum Verpackungsspezialist

Als gelernter Mechaniker begann für Peter Hürlimann schon am ersten Arbeitsort die Geschichte rund um die Verpackungen. Becher, die aus Kunststoff gespritzt wurden und Becher die aus Karton entstanden. Hier lernte der Konolfinger, was es heisst, die richtige Temperatur, die passenden Formen und der geeignete Druck zu bestimmen, damit die Kunststoffbecher hergestellt werden konnten.

"Um die Papierbecher herstellen zu können, brauchte es aus Bogen ausgestanzte Papierstreifen, eine Wickelmaschine und Leim. Damit diese dann auch dicht waren, gelangten sie anschliessend in ein Tauchbad und wurden wieder getrocknet", erinnert sich der 78-jährige. Er konnte sein Wissen als Mechaniker auch bei der Akkord-Montage von Verpackungsmaschinen nutzen. Beim Zusammenbau dieser kurvengesteuerten Maschinen mussten die Kurvenscheiben von Hand nachgefeilt werden.

"Landed Immigrant" in Kanada

Im Herbst 1965 wanderte Peter Hürlimann ohne Job nach Kanada aus. "Landed immigrant" wurden Personen genannt, die keine kanadischen Staatsangehörige waren, aber rechtlich als ständiger Wohnsitz in Kanada zugelassen wurden. So fand er in einer Glasbläserei, in der Ampullen und Töpfchen für teure Kosmetik hergestellt wurden, seinen ersten Job. Schnell aber wechselte er in eine Firma die Verpackungsmaschinen herstellte. "Ich hatte grosses Glück und konnte direkt in der Versuchsabteilung, in der rund 60 Nationen vertreten waren, beim Bau eines Prototyps mithelfen. Hier lernte ich, wie die Packung um das Packgut gewickelt wird. Diese Verpackung nennt sich "Wrap around", erklärt Hürlimann.

Spritzender Kaffeerahm

Nach sechs Jahren zog es den gebürtigen Emmentaler wieder zurück in die Schweiz. Er fand bei der Alpuro-Koreco, dem früheren Entwicklungszweig der Nestlé in Konolfingen einen Job. Und wieder gings bei seiner ersten Aufgabe um Verpackungen. Wer erinnert sich nicht mehr an die goldgelben Kaffeerahmdöschen.

Schön anzusehen - aber wehe, wenn sie falsch geöffnet wurden. Der Spritzer traf meist das Hemd oder die Bluse. "Genau dieses Spritz-Problem der Kaffeerahmdöschen sollten wir lösen. Der aufwändige Prozess mussten wir zuerst analysieren und verstehen. Dann haben wir alles versucht. Die besten Ergebnisse haben wir mit einem leichten Unterdruck in den Döschen erreicht. Das machte aber auch wieder einige Modifikationen in der Sterilisationsanlage notwendig", zeigte er auf. Und der Clou: "Als alles funktionierte, wurde die Fabrikation der Kaffeerahmdöschen eingestellt".

Das Kaffeekännchen, ein unglaubliches Erlebnis

"In Vevey schrillten die Alarmglocken, ein Konkurrent in Deutschland brachte eine neue Verpackung für Kaffeerahm auf den Markt. Es musste rasch reagiert werden und eine Alternative entwickelt werden", blickt Peter Hürlimann zurück.

Was es bedeutet, ein neues Verpackungs-Produkt zu entwickeln, kennt er aus den vielen Erfahrungen. Da musste zuerst entschieden werden, aus was und wie die Verpackung sein soll. "Nach meiner Vorstellung sollte es ein Nidlehäfeli werden. Es sollte einen Griff haben und beim Ausgiessen auf keinen Fall anziehen".

Mit diesen Vorstellungen ging er ans Werk. Von der Tiefziehform mit all seinen Tücken bis hin zum Deckel konnte er seine Vorstellung umsetzen. "Ein langer, zum Teil auch steiniger Weg bis die Fabrikation vollständig gelang. Einige dieser Exponate können auch im Nestlézimmer des Dorfmuseums Konolfingen betrachtet werden", sagt Peter Hürlimann.

Alle Teilnehmenden können das nächste Mal, wenn sie eine Verpackung in den Händen halten, ein wenig verstehen, was es bedeutet haben kann, diese herzustellen.

www.zaeme-aktiv.org


Autor
Willi Blaser, Vorstand ZAK Konolfingen
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Erstellt: 10.02.2018
Geändert: 10.02.2018
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