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Schulen Zäziwil/Oberhünigen: So soll die Zusammenführung aussehen

Am Donnerstagabend informierten die Gemeinden Oberhünigen und Zäziwil über die geplante Zusammenführung der Volksschulen beider Gemeinden. Vom zuständigen Schulinspektor erhielt das Projekt „Schule Region Zäziwil“ gute Noten. Der Schulweg der Oberstufenschüler wurde aus dem Publikum kritisiert.

Grosses Interesse: Rund hundert Personen aus den Gemeinden Oberhünigen und Zäziwil nahmen am Informationsanlass in der Zäziwiler Mehrzweckhalle teil. (Bild: Isabelle Berger)

Seit rund einem Jahr arbeitet eine Projektgruppe mit Vertretern beider Schulen und Gemeinden am Schulterschluss. Darunter die Oberhüniger Gemeinderätin und Bildungsvorsteherin Beatrice Wittwer und der Zäziwiler Gemeindepräsident Walter Flühmann, welche das Projekt präsentierten.

 

Win-Win-Situation

Aussschlaggebend für die Zusammenarbeit waren die Schülerzahlen beider Schulen. In Oberhünigen sinken diese, was eine Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden unumgänglich mache, wie Beatrice Wittwer erklärt. Die Schule hätte schliessen müssen.

 

In Zäziwil ist die Situation genau umgekehrt. „Die Schülerzahlen sind gestiegen und steigen weiter“, so Wittwer. Als Erklärung führt sie die verschiedenen Neubauprojekte an, die in Zäziwil am Entstehen sind. Nicht nur gebe es aber mehr Schüler, sondern auch durch den Lehrplan 21 und die Tagesschule gebe es mehr Raumbedarf. Wittwer: „Zäziwil hat einen grossen Schulraumbedarf.“

 

Am 9. Juni 2017 beschloss die Gemeinde Oberhünigen an der Gemeindeversammlung die Ausrichtung der Schule Richtung Zäziwil-Grosshöchstetten. Das Ziel des Projekts ist es nun, dass Zäziwil einerseits die Schüler und Schülerinnen aus Oberhünigen aufnimmt und das Schulhaus Oberhünigen andererseits als zusätzlichen Schulraum nutzt.

 

Neubau wäre zu teuer

Wie die Idee zustande kam erklärt Walter Flühmann indem er vorrechnet, was ein Neubau gekostet hätte und was  ein 20-jähriger Container, den die Gemeinde Gerlafingen gratis abgeben würde, kostet. „Den müsste man renovieren und hier fehlt ein Ort, um ihn aufzustellen“, so Flühmann

 

Die Lösung: „In Oberhünigen steht eingerichteter Schulraum zur Verfügung“, sagt Flühmann. Die Zusammenlegung der Schulen sieht nun vor, dass ab dem Schuljahr 2019/2020 Kindergärteler und Primarschülerinnen in Zäziwil, die Realschüler in Oberhünigen und – wie bereits seit einiger Zeit – die Sekundarschülerinnen in Grosshöchstetten zur Schule gehen werden. „Damit braucht es keine teuren Bauten“, so Flühmann.

 

Die Frage aus dem Publikum, ob dieser Schulraum längerfristig ausreichend sei beantwortete Flühmann damit, dass das Bauland in Zäziwil bald aufgebraucht sei. Infolgedessen sei ab da nicht mehr mit einer weiteren Zunahme der Schülerzahlen zu rechnen.

 

Schulbusse für Kindergarten und Primarstufe

Die Umverteilung der Klassen hat Folgen für den Schulweg. „Die Zumutbarkeit der Schulwege muss abgeklärt werden“, sagt Wittwer. Sei ein Schulweg unzumutbar, organisiere die Gemeinde den Transport.

 

Sicher vorgesehen sind bereits die Transporte der Schüler und Schülerinnen vom Kindergarten bis zur sechsten Klasse, welche aus Reutenen und Oberhünigen nach Zäziwil in die Schule gehen. „Bisher erfolgten die Transporte durch Eltern und Privatpersonen, welche dafür entschädigt werden, neu soll je ein Schulbus fahren“, erklärt Wittwer.

 

Oberstufe muss selber fahren

Für die Oberstufe sind keine Transporte vorgesehen. Die Realschülerinnen aus Zäziwil haben nach Oberhünigen 2.8 Kilometer, die Sekundarschüler nach Grosshöchstetten 2.2 Kilometer zurückzulegen. „Diese Distanzen sind generell zumutbar. Es besteht auch die Möglichkeit der frühzeitigen Mofaprüfung, mit der auch E-Bikes gefahren werden dürfen“, so Wittwer. Die Sicherheit des Schulwegs Zäziwil-Oberhünigen werde zudem abgeklärt.

 

Dieser Punkt sorgte in der Fragrunde am Schluss für Diskussionen. Der Weg nach Oberhünigen sei nicht zumutbar, fand eine Zuhörerin und Mutter. „Man denke an die Strasse im Winter“, so die Frau. Applaus erhielt aber ein Vater, der fand: „Für einen 13-Jährigen ist es keine so schlechte Schulbildung, wenn er auch mal einen längeren Weg zurücklegen muss.“

 

Tagesschule soll ausgebaut werden

Mehrfach verwiesen Wittwer und Flühman bis zu diesem Punkt darauf, dass die Zusammenlegung der Schulen auch neue Möglichkeiten auftue für mehr Angebote an den Schulen. Neben mehr Wahlfächern zählt dazu auch die Tagesschule. „Neu soll es im Schulhaus Zäziwil von Montag bis Freitag einen Mittagstisch geben, unabhängig vom Bedarf“, sagt Wittwer. Bislang fand der Mittagstisch nur an drei Tagen statt.

 

In Oberhünigen soll es bei genügendem Bedarf ebenfalls einen Mittagtisch geben. „Wenn nicht, können die Kinder aber drinnen Picknicken oder mitgebrachtes Essen in der Mikrowelle wärmen“, so Wittwer. Dafür und auch für allfällige weitere Angebote wie Nachmittagsbetreuung oder Aufgabenhilfe solle es eine Bedürfnisabklärung geben.

 

An beiden Orten würden die Schülerinnen und Schüler von pädagogisch ausgebildetem Personal betreut. Das Essen des Mittagstischs wird von einem Catering geliefert. Ein Mittagessen soll 9.50 Franken plus die Betreuungskosten kosten. Beides bezahlen die Eltern. „Wenn nötig subventioniert die Gemeinde das Catering für die ersten zwei Jahre“, führt Wittwer aus.

 

Zäziwil mietet Oberhüniger Schulhaus

Für die Gemeinden bedeutet die Änderung, dass Oberhünigen seine Bildungsaufgaben an Zäziwil überträgt. „Das Reglement über die Bildungsorganisation und der Zusammenarbeitsvertrag sind bald bereit zum unterschreiben“, sagt Flühmann über die rechtlichen Grundlagen.

 

Oberhünigen bezahlt der Gemeinde Zäziwil einen Pauschalbetrag pro Schüle  sowie einen Anteil an die Lehrergehaltskosten nach effektiven Aufwändungen.

 

Für die Entschädigung der Schulinfrastruktur hat sich das Projektteam für eine Variante entschieden, bei der die Schule Zäziwil den Schulraum in Oberhünigen pauschal mietet, was für Zäziwil kostenneutral ist. Die Variante, die Miete pro Schulkind zu verrechnen, würde gemäss Flühmann zu Mehrkosten führen.

 

Schultransport wird teurer, aber entlastet Eltern

Zu Beginn der Zusammenführung würde es zudem zu Initialinvestitionen auf der Realstufe kommen, welche sich Zäziwil und Oberhünigen teilen würden. „Die Kosten für den Schülertransport trägt jede Gemeinde selber für ihre Schülerinnen und Schüler“, erklärt Flühmann. Dabei wird auch eine Subventionierung durch den Kanton erwartet.

 

„Der Schultransport wird wegen der Busse zwar teurer, dafür werden aber die Eltern entlastet, die bis jetzt den Transport organisierten“, so Flühmann. Zudem sei es wohl auch umweltfreundlicher, wenn ein Bus statt fünf Privatautos führen.

 

Kanton unterstützt Projekt

Der zuständige Schulinspektor Luca Aebersold ist vom Projekt überzeugt. „Wir vom Kanton unterstützen solche Projekte sehr“, sagt er. Die Projektgruppe habe sehr sorgfältig gearbeitet. „Das Projekt ist sinnvoll, man kann kostengünstig bestehende Infrastruktur nutzen, ohne von der Qualität wegzukommen und hat sogar noch mehr Möglichkeiten“, lobt er das Projekt.

 

Der nächste Schritt des Projekts ist die Genehmigung der nötigen Änderungen im jeweiligen Organisationsreglement an der Zäziwiler sowie der Oberhüniger Gemeindeversammlung im Dezember. Zudem muss dem Oberhüngier Gemeinderat die Kompetenz zum Abschluss des Zusammenarbeitsvertrags erteilt werden. In Zäziwil müssen die Kosten für den Schülertransport und der Mietzins für das Schulhaus Oberhünigen genehmigt werden.


Autor
Isabelle Berger, isabelle.berger@bern-ost.ch
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Erstellt: 22.10.2018
Geändert: 22.10.2018
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