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Galerie Heubühne Oberdiessbach: Letzte Ausstellung nach 50 Jahren

Oberdiessbach 1968: Das Dorf feiert sein 750-Jahr-Jubiläum. Die Kunstliebhaberin Heidi Neuenschwander schlägt dem Gemeinderat vor, im Schulhaus eine Ausstellung mit Kunst aus dem Dorf zu machen. Der Gemeinderat lehnt ab. Neuenschwanders Antwort: „Dann mache ich es halt selber in unserer Heubühne.“ Über achtzig Ausstellungen und fünfzig Jahre später schliesst die Galerie Heubühne. Zum Abschluss gibt es eine spezielle Ausstellung.

Wie alles begann: Das Plakat der ersten Ausstellung in der Galeriebühne 1968. (Bild: Archiv BERN-OST)
Kuratieren seit Ende der 90er-Jahre die Galerie Heubühne in Oberdiessbach: René und Erika Lory aus Aeschlen. (Bild zvg)

Über Heidi Neuenschwander gibt es viele Anekdoten, die das Bild einer aussergewöhnlichen Frau zeichnen, die ihrer Zeit voraus war. „Tante Heidi war eine hocheffiziente und energische Frau“, erzählt Andreas Anderegg. Er heiratete eine Nichte Neuenschwanders und unterstützte später Erika und René Lory beim Weiterführen der Galerie Heubühne.

 

Initiative einer aussergewöhnlichen Frau

 

Die Familie Neuenschwander führt seit 1860 eine Fell- und Lederhandlung  in Oberdiessbach, heute in der fünften Generation. Heidi war das Jüngste von zehn Kindern, studierte später Pharmazie und gründete danach mit einer Freundin die Schwanen-Apotheke in Thun, welche sie bis in die frühen Achtziger-Jahre betrieb – ein aussergewöhnlicher Lebenslauf für eine Frau in dieser Zeit.

 

Am 1. September 2015 starb Neuenschwander im Alter von 102 Jahren. Neuenschwander hat ihr Haus an der Schulhausstrasse 1 nach dem Ableben ihrer Geschiwster verkauft, behielt aber das Nutzungsrecht für die Heubühne. „Mit ihrem Tod ist dieses erloschen“, erklärt Anderegg die anstehende Schliessung der Galerie. Dank dem Entgegenkommen der jetzigen Hausbesitzer – ebenfalls Angehörige der Familie Neuenschwander – sei die kommende Jubiläumsausstellung noch möglich.

 

Letzte Ausstellung würdigt Galerie-Geschichte

 

Für die Ausstellung wurden Werke von Künstlerinnen und Künstlern zusammengetragen, welche die Geschichte der Galerie besonders mitgeprägt haben. „Der Sinn der Ausstellung ist es, einen Vergleich zu damals zu ziehen“, sagt Anderegg.

 

Die Ausstellung ist denn auch keine Verkaufsausstellung mit einer Ausnahme: „Vom Oppliger Radierer und Maler Jürg Maurer wurden uns Lithographien zu Verkauf überlassen“, so Anderegg. Die hochqualitativen seien bei einem Preis von 250 Franken pro Stück ein Schnäppchen.

 

[i] Die Ausstellung zeigt Werke von Peter Bergmann, Paul Freiburghaus, Catherine Fricker, Friedi Haldimann, Marcel Kunz, Jürg Maurer, Heidi Locher, René Lory und Willi Wettstein.

 

[i] Vernissage Samstag 9. Juni, 17 Uhr, anschliessend ist die Galerie bis am 24. Juni von Samstag bis Mittwoch jeweils Nachmittag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Gruppenbesichtigungen nach Vereinbarung ausserhalb der Öffnungszeiten: 031 771 15 39.

[i] Zum Veranstaltungseintrag auf BERN-OST

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i] Siehe auch Newsberichte...
- "Oberdiessbach: Bilder als Geschenk" vom 26.05.2017

- "Oberdiessbach - Zu Recht eine Jubiläumsausstellung" vom 19.05.2015
- "Oberdiessbach - Farbiges Feuerwerk" vom 27.08.2012

- "Oberdiessbach - Hans Gmünder in der Galerie Heubühne: Berge im Kiesental" vom 10.09.2009
- "Oberdiessbach - Mit Pinsel, Ton und Blumen" vom 30.05.2006
- "Oberdiessbach - Begegnungen in der Heubühne" vom 15.09.2005


Autor
Isabelle Berger, isabelle.berger@bern-ost.ch
Nachricht an die Redaktion
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Erstellt: 06.06.2018
Geändert: 08.06.2018
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